Mittwoch, 25. Januar 2012

RoboCop


In den 80er Jahren ist eine Menge guter Actionfilme entstanden, die thematisch im Bereich Science-Fiction anzusiedeln waren und beim Publikum so gut ankamen, dass sie fest heute, bald dreißig Jahre später, immer noch Teil der Popkultur sind. Darunter fallen Streifen wie TERMINATOR, TOTAL RECALL, PREDATOR, ALIENS aber eben auch ROBOCOP. Letzter war so erfolgreich, dass er zwei Fortsetzungen, Fernsehserien, Comics, Videospiele und einen Schwung an Merchandising, der bis heute anhält, generieren konnte. Nicht alles, was früher gut war, hat den Zahn der Zeit schadlos überstanden. Wie sieht es mit diesem futuristischen „Dirty Harry“ aus?

Die Entstehungsgeschichte von ROBOCOP („RoboCop“, 1987) ist wie bei vielen Filmen eine steinige. Mehrere Regisseure und Hauptdarsteller wurden verschlissen, bis der erste Meter Film durch die Kameras gerollt war. Schließlich entschieden sich die Produzenten für den Niederländer Paul Verhoeven. Dieser hatte kurz zuvor mit FLESH AND BLOOD bewiesen, dass er blutige Action im großen Stil, aber mit Niveau und guter Schauspielerführug beherrschte. Der Charakter des Robocop war von Anfang an von „Judge Dread“ einer ultraharten Comicfigur aus Großbritannien inspiriert. Insofern war es nur stimmig, auch einen europäischen Regisseur zu engagieren. Den Hauptdarsteller fand man in Peter Weller, der im SF-Bereich zuvor durch den damals wenig beachteten, heute zum Kultfilm avancierten DIE ABENTEUER DES BUCKAROO BANZAI aufgefallen war.

"Weißt Du, wo ich Dir den gleich hinstecken werde?"

In nicht allzu ferner Zukunft ist die Polizei in Detroit völlig damit überfordert, die Kriminalität einzudämmen. Streiks drohen, doch wer soll sich dann erst recht gegen die Scharen von Gangstern durchsetzen? Besonders gefährlich ist die marodierende Bande um ihren Anführer Clarence Boddicker (Kurtwood Smith). Der Megakonzern OCP nutzt diese Gelegenheit, um ihre neuesten Erfindungen an die Sicherheitskräfte verkaufen. Dummerweise läuft der unter Vize-Präsident Dick Jones (Ronny Cox) entwickelte Kampfroboter ED-209 bei der Präsentation Amok und tötet eins der Vorstandsmitglieder. So bekommt der arrogante Emporkömmling Bob Morton (Miguel Ferrer) die Chance, sein Projekt um einen stark gepanzerten Polizisten-Cyborg in die Tat umzusetzen. Codename: RoboCop! Fehlt nur noch ein Freiwilliger. Dieser taucht in Form des kürzlich versetzten jungen Polizisten Murphy (Peter Weller) auf, der bei einer Schießerei mit Boddickers Gang im wahrsten Sinne des Wortes in Stücke geschossen wurde. Nach einer langwierigen Umwandlung geht der scheinbar unaufhaltbare RoboCop gegen die Unterwelt Detroits vor. Anfangs kann er sich an seine Vergangenheit nicht mehr erinnern, doch dann beginnen die Träume, und auch seine ehemalige Partnerin Lewis (Nancy Allen) erkennt den Menschen hinter dem stählernen Kämpfer wieder. Derweil kann sich Bob Morton über seinen neuen Einfluss bei OCP nicht lange freuen...

Die meisten, die an ROBOCOP denken, werden zahllose blutige Schießereien, herumfliegende Körperteile und menschenverachtende Gewalt vor Augen haben. Kein Wunder dass es der Film in Deutschland immer schwer hatte. Doch damit wird man dem Streifen nicht gerecht. Bereits Regisseur Verhoeven zeigte sich enttäuscht über die Schnitte, die er schon in den USA tätigen musste, um eine vertretbare Altersfreigabe zu erhalten. Er selbst sagt, dass die Gewalt in dem Film durch die Schnitte erst wirklich erschreckend wurde, da er sie zuvor so überzeichnet hatte, dass sie eher wie ein Cartoon wirkte. Recht hat. Ohne Frage: In die Hände von Kindern oder Jugendlichen gehört ROBOCOP auf keinen Fall, aber, wenn man sich den auf DVD erhältlichen Director´s Cut anschaut, schmunzelt man bei den Ballereien eher, als dass man sich geschockt zeigt (mit Ausnahme der „Hinrichtung“ Murphys zu Beginn des Films). Dies ist schwarzer Humor in seiner Endstufe und wird durch die satirisch überzeichneten Nachrichten- und Werbespots, die in den Film eingestreut sind, unterstrichen.

"WARUM soll ich mich umdrehen? WAS steht hinter mir?"

ROBOCOP ist Sozial- und Medienkritik. Natürlich funktioniert er auch als Actionfilm, doch hält er uns gleichzeitig einen Spiegel vor, wenn wir uns an den blutigen Schlachten erfreuen. Sofern er merkt, dass hier eigentlich über ihn gelacht wird, dürfte dem Voyeur das Grinsen wohl vergehen. Dies gelingt Verhoeven hier viel besser als in seinem Jahre später entstandenen STARSHIP TROOPERS. Tricktechnisch ist der Film allerdings schlecht gealtert. Während die Effekte um den RoboCop selbst wunderbar gelöst sind und auch heute noch überzeugen, ruckeln die Stop-Motion-Bewegungen des ED-209 eher unschön über den Bildschirm. Das stört aber nicht wirklich, da diese Sequenzen nicht unnötig in die Länge gezogen wurden.

Den Großteil meiner Kindheit verbrachte ich in den 80ern und hatte daher erst viel später die Gelegenheit, ROBOCOP zu sehen, und dann auch direkt in der vom Regisseur beabsichtigten Fassung. Ich sehe in dem Streifen kein über alle Maßen anbetungswürdiges Meisterwerk, aber durchaus einen feinen Film, der viel intelligenter ist, als man ihn für gewöhnlich ansieht, und dabei auch gut zu unterhalten weiß. Wer übrigens mal lachen will, sollte sich bei Ebay eine geschnittene 16er-Fassung holen und mit der ungeschnittenen Version vergleichen. Es lohnt sich: Selten so gelacht (Grüße an Sebastian S.).