Mittwoch, 9. November 2011

Resident Evil: The Mercenaries 3D


Immer wenn eine neue Konsole auf den Markt kommt, bemühen sich diverse Hersteller direkt diverse Launchtitel parat zu halten. Dabei handelt es sich meist um Spiele, die oftmals sehr schnell und eher lieblos herunterprogrammiert wurden. Dennoch bringt der Umstand, unter den ersten zu sein, welche das neue Spielgerät mit Software versorgen, den Vorteil, viele Käufer zu finden, weil die Gamerschaft einfach danach giert, die Hardware mit möglichst vielen Spielen zu füttern. Solche Schnellschüsse verlieren schnell an Attraktivität, sobald sich das Softwareangebot entsprechend vergrößert.

Ich gestehe, dass ich enttäuscht war, als Capcom RESIDENT EVIL: THE MERCENARIES 3D für den 3DS ankündigte - auch wenn der Titel optisch ansprechend aussah. Wir haben es hier mit keinem vollwertigen Spiel zu tun, das die RESIDENT EVIL Story weiterspinnt. Nein, es handelt sich vielmehr um einen "Remix" eines Bonusspiels, das bereits aus RESIDENT EVIL IV und V bekannt sein dürfte. Capcom hat diesem Extramodus einfach einen neuen Rahmen spendiert und - voila - fertig ist ein Vollpreistitel. Glücklicherweiser wurde gemeinsam mit dem vorliegenden Spiel mit RESIDENT EVIL: REVELATIONS ein weiterer 3DS-Spross vorgestellt, der mit einer richtigen Story aufwartet und die Hauptgeschichte bereichert. Und Capcom tat gut daran, eine (kurze) Demo von REVELATIONS MERCENARIES hinzuzufügen. Doch immer der Reihe nach:

Michael Bay´s DER NAME DER ROSE

MERCENARIES 3D ist ein Ballerspiel, wie es im Buche steht. Im Grunde genommen geht es lediglich darum, sich einen Charakter aus einer Auswahl bekannter Resi-Figuren auszusuchen, um daraufhin in diversen Arenen, die an Schauplätze der letzten beiden Serienableger angelehnt sind, ein Massaker anzurichten. Dabei kämpft man logischerweise nicht gegen die Zombies, welche die Reihe berühmt gemacht haben, sondern an die Gegner aus Teil IV und V: Von Parasiten befallene Los Illuminados Mönche und Majini. Dazu gesellen sich mehrere Zwischen- und Obermotze. Das eigentliche Spielprinzip bedeutet, dass man in einem bestimmten Zeitlimit möglichst viele Gegner erledigt. In den Schauplätzen sind Bonusgegenstände verteilt, welche Combo-Boni erhöhen oder die begrenzte Zeit erweitern. Bei entsprechendem Erfolg werden neue Arenen, bzw. neue Aufgaben in besagten Arenen freigeschaltet. Außerdem lassen sich neue Waffen, Trophäen und Charaktere erspielen.

Man merkt: Das Spiel an sich ist stupide und auf pure Action ausgelegt - die aber durchaus zu unterhalten weiß. Wer einmal überwunden hat, hier keine schöne B-Movie-Story präsentiert zu bekommen, wird sicher so manche launige Stunde vor seinem 3DS verbringen können. Es motiviert, ständig neue Highscores zu knacken und dadurch diverse Boni freizuspielen - zumindest eine Zeit lang. Irgendwann setzt dann doch etwas Langeweile dabei ein, durch die immer wieder gleichen Arenen zu hetzen, und die sich wiederholenden Gegnerhorden niederzumetzeln. Arcade-Fans, die darin aufgehen, ständig neue Rekorde aufzustellen, werden mit MERCENARIES garantiert den meisten Spaß haben. Online lässt sich auch im Verbund mit Freunden kämpfen.

"The Doctor is in!"

Kommen wir zum Technischen, und dazu gehört auch die Steuerung. Diese geht nach einer kleinen Eingewöhnungsphase flott von der Hand, so dass man meistens den Überblick im Kampf gegen die Infizierten behält. Nur wenn es von allen Seiten auf einen zuströmt, wird´s etwas haarig - aber das trägt der Stimmung nur bei. Grafisch wird für 3DS-Verhältnisse ganz großes Kino aufgefahren. Natürlich kann das Ganze nicht mit RESIDENT EVIL V mithalten. Dafür mangelt es an ausgeklügelten Lichteffekten, Animationsphasen und hochauflösenden Texturen. Dennoch sieht das Spiel verdammt gut aus, und dass selbst bei größtem Gegneraufkommen kein Ruckeln auszumachen ist, zeigt, dass in Nintendos neuestem Kind eine Menge Power steckt, die in den kommenden Jahren sicher noch weiter ausgereizt werden wird. Dafür hinkt der Sound etwas hinterher. Die Musik pumpt zwar noch halbwegs okay ins Gehör, dafür rascheln die Soundeffekte doch arg blechern aus den Lautsprechern.

Noch etwas zum Drumherum. MERCENARIES 3D besitzt einen nicht-löschbaren Spielstand, wodurch ein Gebrauchtkauf einen unveränderbaren Status an freigeschalteten Extras mit sich bringt. Also: Lieber neu kaufen, wenn man sich nicht um etwas Spaß bringen will. Wie bereits anfangs erwähnt, befindet sich auf der Karte auch eine Demo, die einen kurzen Einblick in das im Frühjahr 2012 erscheinende RESIDENT EVIL: REVELATIONS gewährt. Auch wenn man hier nach fünf Minuten bereits alles gesehen hat, bekommt man Lust auf mehr. Traurig, dass die Demo mehr Gruselstimmung verbreitet als das Hauptspiel...

Wie dem auch sei: Highscore-Jäger werden MERCENARIES 3D lieben und sicher nicht so schnell aus der Hand legen können. Resi-Komplettsammler schlagen ohnehin zu. Und auch Grafikfetischisten darf das Spiel wärmstens empfohlen werden. Wer ein gehaltvolleres Erlebnis auf seinem 3DS sucht, sollte lieber zu OCARINA OF TIME greifen.