
THE GREEN HORNET ist ein Comicheld aus den 30ern, der zu damaliger Zeit vor allem durch packende Radio-, später auch Kino-Serials von sich reden machte. Ende der 60er Jahre erfuhr der Charakter einen erneuten Popularitätsschub durch eine Fernsehserie, in der Kato – der Gehilfe des Titelhelden – von niemand geringeren als Bruce Lee verkörpert wurde. Seit den 90er Jahren geisterte immer wieder das Gerücht umher, dass es eine Kinofassung des Stoffes geben sollte. Diverse Regisseure und Schauspieler (u.a. George Clooney und Jackie Chan) wurden mit dem Projekt in Verbindung gebracht, ohne dass - abgesehen von einem französischen Kurzfilm – etwas greifbares dabei herumkam.
Das änderte sich schließlich, als 2007 Comedian Seth Rogen („Beim ersten Mal“) sich daran machte, aus dem Stoff ein „Buddy-Movie“ zu machen, der mit viel Humor an solche modernen Klassiker wie NUR 48 STUNDEN und LETHAL WEAPON anknüpfen sollte. Regisseur Michel Gondry (VERGISS MEIN NICHT), der bereits zuvor schon einmal an der Entwicklung einer Filmversion beteiligt gewesen war, stieß erneut hinzu. Während Rogen sich die Titelrolle auf den Leib schrieb, gesellten sich Stars wie Cameron Diaz, und der jüngst durch INGLORIOUS BASTERDS international bekannt gewordene Christoph Waltz hinzu. Mit Jay Chou, einem taiwanesischen Multitalent in Sachen Film und Musik, besetzte man die Rolle des Kato mit einem im Westen eher unbekannten Darsteller, der jedoch in Sachen Martial Arts einiges zu bieten hat.
"Wer macht sich hier über mein Kostüm lustig, hä?! Wer?!"
Britt Reid (Seth Rogen) ist reicher Playboy in seinen 20ern, der auf Kosten seines Vaters (Tom Wilkinson), eines Zeitungsmoguls, lebt. Zu diesem hat er eine äußerst schlechte Beziehung, da er ihm doch nur Vorwürfe macht und stets mehr Zeit in die Arbeit als in seinen Sohn investiert hat. Als sein Vater jedoch an einer allergischen Reaktion auf einen Bienenstich stirbt, sieht sich Britt gezwungen, die Geschäfte seines Vaters zu übernehmen. Doch dazu fehlt ihm jede Lust und Motivation. Viel lieber beschäftigt er sich mit dem ehemaligen Chauffeur seines Alten. Kato (Jay Chou) hat in den riesigen Fuhrpark des Hauses Reid allerlei Spielereien wie Panzerglas eingebaut. Als die beiden eher zufällig einen Überfall auf ein junges Pärchen vereiteln, weiß Britt mit einem Mal, was er aus seinem Leben machen will: Als Kämpfer für das Gute, als „Green Hornet“, wird er es mit der Unterwelt aufnehmen. Doch je erfolgreicher das neue Heldenduo wird, desto mehr gewinnen sie die Aufmerksamkeit des Obergangsters Chudnofsky (Christoph Waltz), der andere Gegner schon aus weniger gewichtigen Gründen brutalst ermordet hat...
Technisch gesehen ist THE GREEN HORNET (2011) eine runde Sache. Auch wenn hier oder da mit den Effekt-Haschereien übertrieben wurde, wissen die perfekt choreographierten Kampfszenen zu begeistern. Das „Black Beauty“ Auto würde in jeden JAMES BOND Film passen, und auch die digitialen Tricks sind sehr gut gelungen. Ich habe nicht die 3D-Version des Streifens sehen können, aber auch in 2D wirkt alles sehr plastisch, farbig und lebendig. Den Schauspielern (mit einer Ausnahme, dazu gleich mehr) merkt man an, dass sie mit viel Spaß an die Sache herangegangen sind. Besonders Christoph Waltz sticht – wieder einmal – hervor. Er gibt hier im Grunde genommen nichts anderes als eine Parodie auf seinen Hans Landa. Das ist nicht sehr einfallsreich, aber sehr unterhaltsam. Aber auch Jay Chou zeigt, dass er ein großer Fan der Lee-Serie war, und gibt alles, um in diese Fußstapfen treten zu können.
"Hier drin steht, dass ich als Deutscher in Hollywood per Gesetz den nächsten Bond-Bösewicht spielen MUSS."
ABER: Der Humor des Films geht gar nicht. Seth Rogen ist ohnehin jemand, der mit seiner Komik polarisiert. Ich habe nichts gegen ihn und finde auch einige Komödien von Judd Apatow – Rogens Weggefährte – richtig klasse. In THE GREEN HORNET funktioniert der Witz aber leider gar nicht, und auch Rogens Darstellung ist ein Totalausfall. Ja, natürlich soll es eine Wandlung des Charakters geben, aber bis kurz vor Ende ist Rogens Britt Reid so ein unsympathisches Arschloch, dass man ihm nie die Daumen drückt. Davon abgesehen sorgen auch die vielen Toten nicht dafür, dass die „Green Hornet“ besonders heldenhaft wirkt. Dieses Manko reißt den ganzen Film herunter. Aber auch die völlig fehl besetzte Cameron Diaz spielt, als wüsste sie gar nicht, was sie da gerade macht. Ihr humoristisches Talent bleibt ungenutzt, und man spürt regelrecht, dass sie sich allein als das „blonde Love-Interest“ gar nicht eignet.
THE GREEN HORNET hat ein paar Elemente, die ihn sehenswert machen, aber im großen und ganzen bleibt ein Werk zurück, das einfach nicht in sich stimmig ist, und den Zuschauer oftmals eher verärgert als unterhält. Das ist bedauerlich, da man einfach sagen muss, dass hier viel Potential verschenkt wurde. Einmal ausleihen und anschauen reichen hier völlig aus.


2 Kommentare:
Zum Thema Comics und deren Verfilmung: Ich hoffe dieses Webcomic wird irgendwann verfilmt:
http://www.wormworldsaga.com/
Schau mal rein. Wie ich finde ein großes Potenzial...
Ich habe mir den jetzt angeguckt. Allzu viel ist ja noch nicht passiert. Aber ich werde ein Auge drauf halten. Danke für den Tipp :)
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