Freitag, 11. November 2011

Der Hund von Baskerville


DER HUND VON BASKERVILLE ist wohl die bekannteste Geschichte um Englands berühmtesten Detektiv Sherlock Holmes. Der Stoff wurde unzählige Male verfilmt, wahrscheinlich auch, weil er mit der spannenden Kriminalgeschichte auf der einen und den gruseligen Horrorelementen auf der anderen Seite genug Möglichkeiten bietet, ein episches Kinoabenteuer zu erzählen. Als die Hammer-Studios den Plan ins Auge rückten, eine Serie von Sherlock-Holmes-Filmen zu produzieren, verwundert es darum auch nicht, dass man DER HUND VON BASKERVILLE als Startpunkt auswählte. Trotz moderaten Erfolges (obwohl der Film seitens der Kritiker nicht so wohlwollend aufgenommen worden war) blieb es aber bei diesem einen Holmes-Titel aus dem Hause Hammer.

Dabei fuhr man alles auf, was die zuvor im Kino so wunderbar eingeschlagenen Horrorstreifen ausgemacht hatte: Peter Cushing als Sherlock Holmes, Christopher Lee als Sir Henry Baskerville, Terence Fisher als Regisseur und James Bernard zuständig für Musik. Damit hatte man das Quartett zur Hand, das bereits DRACULA und FRANKENSTEINS FLUCH unverwechselbar gemacht hatte. Gefilmt in Surrey (das für Dartmoor herhielt) und in den bereits berühmten Bray-Studios, sollte der Film die gleiche Optik aufweisen wie die bisherigen Produktionen. Peter Bryan nahm sich Sir Arthur Conan Doyles Roman vor und adaptierte ihn in ein Drehbuch, das einen stärkeren Schwerpunkt auf die Horrorelemente legte als die Vorlage.

"Schnittchen? Käffchen? Milch und Zucker?"

Dr. Mortimer (Francis De Wolff) bittet Sherlock Holmes und Dr. Watson (André Morell) auf den Neffen seines vor kurzem unter mysteriösen Umständen verstorbenen Freund Sir Charles Baskerville aufzupassen. Mortimer ist der festen Überzeugung, dass Baskerville dem Höllenhund aus dem Familienfluch zum Opfer gefallen ist. Sir Henry, der letzte Erbe, könnte das gleiche Schicksal drohen. Da Holmes verhindert ist, beauftragt er Watson Sir Henry nach Dartmoor auf das Baskerville-Anwesen zu begleiten. Seine Aufgabe ist es, nicht von der Seite seines Schützlings zu weichen. Doch das stellt sich schwieriger heraus, als ursprünglich geplant, denn neben einem Vogelspinnenangriff, dem tückischen Moor, und unheimlichen Lichtern in der Nacht geht Gefahr auch von einem entflohenen Mörder aus. Und dann ist da noch dieses unheimliche Heulen in der Nacht...

Die zeitgenössischen Kritiker können über DER HUND VON BASKERVILLE ("The Hound of the Baskervilles", 1959) sagen, was sie wollen: Der Film gehört zum Besten, was Hammer je produziert hat. Es sieht so aus, als hätte man all die Erfahrung, die man in den Vorgängerproduktionen machte, zu einem großen Kinoerlebnis vereint. Natürlich, die teilweise erheblichen, und mitunter nicht ganz nachvollziehbaren Abweichungen von der Vorlage sind typisch für Hammer und kommen teilweise etwas plump daher, wenn man ein Holmes-Purist ist. Aber Fans der Horrorschmiede bekommen genau das, was man erwarten darf. Und ich muss gestehen, dass ich das Ausbauen des Mortimer-Charakters zu einem weiteren Verdächtigen durchaus clever fand.

"Da guckst Du blöd, was?!"

Cushing agiert souverän und glaubwürdig wie immer. Man spürt, dass er ein großer Verfechter seines Charakters ist, und ihn mit viel Liebe zum Detail umsetzt. Aber besonders Christopher Lee, der als charismatischer Frauenheld auftritt und endlich mal mehr Text als "Guten Abend, Mr. Harker" oder "Grrrrr! Fauch!" hat, kommt voll zum Zuge und kann seine Vielseitigkeit beweisen. Es wirkt beinahe so, als wären die beiden Mimen froh, sich ihrer Gruselfesseln entledigt zu haben, und in einem halbwegs "normalen" Film spielen zu dürfen. Aber auch André Morell, der in vielen Hammer-Produktionen in Nebenrollen auftrat, macht das mögliche aus dem Script. Sein Watson ist nicht der tolpatschige Trottel anderer Adaptionen, sondern durchaus in der Lage, seinem Freund Holmes so manchen Denkansatz mit auf den Weg zu geben. Darüber hinaus legt Fisher eine überraschend einfallsreiche Regie an den Tag. Dabei spielen die stimmungsvollen Sets aber vor allem die atmosphärischen Außenaufnahmen eine große Rolle. Hier stört auch das exzessive Day-for-Night-Filming kaum.

Die Geschichte ist altbekannt, wird hier aber in einem schönen Rahmen präsentiert, der alle Fans des Gothic-Horrors begeistern dürfte. DER HUND VON BASKERVILLE ist keine Sekunde langweilig, schauspielerisch und drehtechnisch auf hohem Niveau und ein Paradebeispiel dafür, wofür diese Produktionsfirma einst stand. Im Gegensatz zu manch anderer Hammer-Produktion ist diese in keiner Weise angestaubt und wirkt noch immer frisch, unterhaltsam und rundherum gut.