Freitag, 28. Oktober 2011

Swamp Shark


Gut, dass es solche Sender wie RTL2, Tele5, aber auch Kabel1 gibt. Wo sonst könnte man zur besten Sendezeit C-Filme zu sehen bekommen, die in Konkurrenz zu solchen Quotentitanen wie den TATORT laufen? Ich meine, es ist ja wohl klar, dass man mit Perlen der Marke MEGA SHARK VS. GIANT OCTOPUS den anderen Programmen nicht ernsthaft Paroli bieten kann. Aber entweder hat man einfach keine besseren Filme auf Lager, oder aber man bedient damit – und das fänd ich auf meine naive Art und Weise schöner - absichtlich und mit einer Prise Selbstironie die kleine, aber feine Gemeinde der Fans des schlechten Filmgeschmacks – zu denen ich mich ja auch zähle. Optimistisch sah ich mir also vorletzten Sonntag SWAMP SHARK („Swamp Shark“, 2011) an, den RTL2 seinem Publikum um 20.15 Uhr servierte.

Man sollte eigentlich meinen, dass bereits seit DER WEISSE HAI alles gesagt wurde, was es zum Thema „Hai-Horror“ zu sagen gibt. Und spätestens seit DER WEISSE HAI IV – DIE ABRECHNUNG sollte man zudem wissen, dass es nicht die beste Idee ist, altbekannte Ideen immer wieder neu aufzuwärmen. Das hat sich auch der amerikanische Kabelsender Syfy gedacht und darauf geachtet, dass SWAMP SHARK die Regeln ein wenig neu mischt. Anstatt einer Hai-Jagd auf hohem Meer zu präsentieren, verlegt der Film die Story in die Sümpfe Lousianas – also da, wo normalerweise der ebenfalls sattsam bekannte Alligator-Horror angesiedelt ist. Wo anderswo eine sexy Wissenschaftlerin mit einem harten, aber weichkernigen Bootsverleiher (oder so ähnlich) gegen die Bestie kämpft, haben wir es hier mit einer sexy Restaurantbesitzerin zu tun. Diese wird von der mittlerweile nicht mehr ganz frischen, aber immer noch sehr attraktiven Kristy Swanson (der Original-„Buffy“ aus dem Kinofilm) gespielt und darf auch immer wieder ihren tiefen Ausschnitt in die Kamera halten. Abgesehen davon hält sonst nur noch Robert Davi (bekannt aus JAMES BOND 007 – LIZENZ ZUM TÖTEN und der Thrillerserie PROFILER) die Fackel der „Starpower“ hoch. Der Rest der Mimen ist unbekannt und geistert maximal hier und da durch diverse Fernsehserien und TV-Premieren.

Dieses Bild verspricht mehr, als der Film zu halten vermag...

Seit dem Tod der Eltern hält Rachel Bouchard (Kristy Swanson) die Familie zusammen. Sowohl ihr Bruder Jason (Jeff Chase) als auch ihre jüngere Schwester Krystal (Sofie Sinise) arbeiten gemeinsam mit ihr im alten Familienrestaurant mit angeschlossenem Alligator-Gehege. Kurz vor Beginn des jährlichen Gator-Festes, wird Rachel nachts Zeuge davon, wie ihre Reptilien von einem Hai gefressen werden. Als sie dies dem widerlichen Sheriff Watson (Robert Davi) erklärt, lacht dieser sie nur aus und lässt das Restaurant, das ihm schon länger ein Dorn im Auge war, schließen. Rachel macht sich gemeinsam mit ihren Geschwistern, ihrem untreuen Freund Tyler (Richard Tanne), dem undurchsichtigen Tommy (D.B. Sweeney) und ihrem Angestellten Martin (Jason Rogel) daran, den Hai, der sich scheinbar aus dem Meer in die Sümpfe verirrt hat, zu finden und zu erbeuten. Sie erhoffen sich, dass die Jagdtrophäe Watson überzeugen kann, ihr Restaurant wieder zu öffnen. Bis sich zeigt, dass der Sheriff, der ein Auge auf die schöne Rachel geworfen hat, selbst hinter dem Auftauchen des Hais steckt...

"Siehst Du? Selbst mit dieser winzigen Kamera kann ich bessere Filme als den hier drehen!"

Wenn man einen C-Film, wie man ihn früher in erster Linie aus den hintersten Regalen der Videothek gefischt hat, macht, muss man auf zwei Dinge achten: Blut und nackte Haut. Das ist es, was einen potentiellen Zuschauer bei der Stange und die langweiligen Handlungsszenen aushalten lässt. Da stören auch schlechte Schauspieler, eine bescheuerte Handlung und lachhafte Trickeffekte nicht (alles hier vorhanden). Fernsehproduktionen haben das Problem, dass sie sich in Sachen Sex und Gore ein wenig zurückhalten müssen. Und da ist bei SWAMP SHARK der Hai, pardon, der Hund begraben: Die Handlung läuft genauso ab und es sind alle Elemente enthalten, wie man es sich von einem guten Schundfilm erhofft. Wir haben herumsexelnde Teenager, perverse Cops, Blondinen in hautengen, weit ausgeschnittenen Tops, und ein Monster, dessen modus operandi blutig und Körperteile abtrennend verläuft. Leider geht SWAMP SHARK dabei nie in die Vollen. Der Sex wird maximal angedeutet, Voyeure werden mit diversen Bikini-Schönheiten Vorlieb nehmen müssen. Wenn der Sumpfhai zuschlägt, sieht man das Vieh herandonnern und das Opfer verschwindet unter der schäumenden Wasseroberfläche, gefolgt von aufsteigendem Blut. Okay, eine Enthauptung ist drin, dass muss ich zugeben. Es KANN sein, dass die RTL2-Version zusätzlich geschnitten war, aber den Eindruck hatte ich eigentlich nicht (sachdienliche Hinweise nehme ich aber gerne an.). Da nutzt auch die hübsche Kristy nichts, um mich wach zu halten.

Na ja, irgendwie bin ich dann doch dabei geblieben und wurde Zeuge eines völlig unspektakulären Showdowns. Und genau das lässt sich als Fazit ziehen: SWAMP SHARK ist in jeder Hinsicht belanglos und hat wirklich nichts, was ihn aus der Masse ähnlicher Produktionen hervorstechen lassen würde. Er ist für einen Film dieser Sparte handwerklich akzeptabel gemacht und besitzt wenigstens ein paar nette Bilder (die Färbsättigung bei einigen Landschaftaufnahmen ist enorm). Aber alles in allem wird hier nichts geboten, was den Film aus meiner Sicht für irgendjemanden empfehlenswert macht. Wenn er wenigstens schlecht genug wäre, um damit zu unterhalten. Aber selbst den Gefallen tut man uns nicht.