Sonntag, 31. Januar 2010

Terminator - Die Erlösung


Mittlerweile ist es nicht mehr ganz leicht, der Timeline, die sich durch das TERMINATOR-Franchise zieht, zu folgen. Die ersten beiden Teile - geschaffen von TITANIC-Regisseur James Cameron - besitzen mittlerweile den Status junger Filmklassiker. Während die erste Episode den Actionfilm der 80er Jahre revolutionierte, gilt T2 als Musterbeispiel perfekt ausbalancierter Drehbücher und Musterbeispiel dafür, was photorealistische, digitale Effekte leisten konnten. JURASSIC PARK und alle FX-Filme, die folgen sollten, wären ohne ILMs Vorarbeit in TERMINATOR 2 - JUDGEMENT DAY nicht möglich gewesen. Danach wurde es chaotisch. Für Cameron war die Geschichte um die Zerstörung und Errettung der Erde durch Maschinenhand mit Teil 2 (richtigerweise) fertig erzählt. Das hinderte jedoch die Filmbosse nicht daran, Regisseur Jonathan Mostow die Führung von TERMINATOR 3 - RISE OF THE MACHINES zu übergeben. Der Film fiel bei Fans durch, so dass die folgende Fernsehserie TERMINATOR - THE SARAH CONNOR CHRONICLES den dritten Teil völlig ignorierte.

Vor kurzem kam nun ein neuer TERMINATOR-Film in die Lichtspielhäuser. Regisseur McG gab sich alle Mühe, zumindest die drei Filme als mehr oder weniger offizielle Vorgänger anzusehen, musste daher aber den (mittlerweile eingestellten) TV-Ableger links liegen lassen. Gleichzeitig wollte er aber einen Neuanfang wagen, der sich allein vom Zeitpunkt der Handlung (nämlich NACH dem Atomkrieg, welcher die Erde fast entvölkerte und die Skynet-Roboter an die Macht brachte) vom Rest der Filme abgrenzte. Daher wohl auch die bewusste Entscheidung, auf eine 4 im Titel zu verzichten. TERMINATOR - DIE ERLÖSUNG (Terminator - Salvation, 2009) wurde recht zügig abgedreht und machte im Vorfeld insofern von sich reden, dass das Fandom McG, der immerhin Regie bei DREI ENGEL FÜR CHARLIE geführt hatte, einen vernünftigen Umgang mit dem Franchise nicht zutraute, und zum anderen weil Hauptdarsteller Christian Bale erst zum Projekt stieß, nachdem seinem Charakter (er übernahm diesmal die Rolle des John Connor) mehr Raum im Script zugeteilt worden war - nur, um dann unrühmliche Aufmerksamkeit durch einen im Internet geposteten Set-Mitschnitt, in dem er einen Kameramann vor versammelter Mannschaft zur Schnecke macht, zu erhalten.

"Ich liebe dich!" - "Ich weiß!"

Mittlerweile gibt es TERMINATOR - DIE ERLÖSUNG in Deutschland sogar auf DVD zu erwerben. Rückblickend ist zu sagen, dass der Film die Welt nicht verändert hat. Er hat akzeptable Kritiken bekommen, akzeptables Geld eingespielt und bietet akzeptable Unterhaltung (dazu später mehr). Ein Re-Boot des Franchise, wie es sich McG und das Studio erhofft hatten, war es nicht. Die Rechte am TERMINATOR stehen wieder zum Verkauf und werden wohl bald bei einer neuen Produktionsschmiede landen (Lionsgate ist scheinbar schwer interessiert). Vielleicht hätte man den Film um ein halbes Jahr verschieben und ihn nach AVATAR starten sollen. Denn Sam Worthington - neben Bale der Star des Films - hat durch James Camerons mega-erfolgreiche Science-Fiction-Mär durchaus an Zugkraft gewonnen.

Das Computer gesteuerte Verteidigungssystem Skynet hat ein Bewußtsein entwickelt und die Menschheit im Feuer eines thermo-nuklearen Krieges beinahe ausgelöscht. In den Ruinen der vergangenen Welt kämpft der menschliche Widerstand gegen die roboterhaften Terminatoren, den Vollstreckern und Fußsoldaten Skynets. Die Rebellen kenne die Prophezeiung um ihren Anführer John Connor (Christian Bale), und dass dieser den Sieg gegen die Maschinen herbeiführen wird. Doch irgendwie will man nicht glauben, dass der sturköpfige und verschlossene Connor dazu in der Lage sein könnte. Zur gleichen Zeit findet sich der in der alten Zeit wegen Mordes zu Tode verurteilte Marcus Wright (Sam Worthington) in der Ödnis, die einmal die USA waren, wieder. Er trifft auf den jungen Kyle Reese (Anton Yelchin), verliert den neuen Freund jedoch, als sie in eine Sammelaktion der Terminatoren geraten. Marcus und Connor finden sich schließlich und beschließen, Reese - von dem Connor weiß, dass er eines Tages sein eigener Vater sein wird - aus den Klauen der Maschinen zu befreien.

"Wo ist dieser ver#@%§te Beleuchter?!"

Wie bereits oben erwähnt: TERMINATOR - DIE ERLÖSUNG ist akzeptabel. Er hätte besser sein können, wenn das schrecklich kitschige Ende nicht gewesen wäre. So aber hat der Zuschauer es mit einem krachigen SF-Actioner zu tun, der nicht wehtut, kein Neuland betritt, aber eben gute Unterhaltung bietet. Vor allem die tollen Trickeffekte haben es mir dabei angetan. Die verschiedenen Terminator-Varianten (vor allem den "Harvester" mit seienn urigen Sounds) sind phantasievoll und technisch einwandfrei umgesetzt. Arnold Schwarzeneggers Pseudo-Cameo-Auftritt sorgt zusätzlich für eine gelungene Überraschung. Das Script ist dahin gehend eher flach, und schauspielerisch wird kein Meilenstein auf die Beine gestellt. Aber das hat man eigentlich auch nicht erwartet.

Wenn das Drehbuch also ein Quäntchen besser gewesen wäre, hätte TERMINATOR - DIE ERLÖSUNG durchaus das Zeug zu einem erstklassigen Film. So, wie es am Ende aussah, ist es aber eben "nur" ein guter Actionreißer, der vor allem die männliche Klientel zufrieden stellen dürfte. Es rummst und kracht an allen Ecken, schöne Frauen schwingen ihre... Waffen, und die Story um den TERMINATOR wird zumindest halbwegs logisch weitergesponnen. Da ich nie ein großer Fan des Franchise war, ging ich mit niedrigen Erwartungen ins Kino, und fühlte mich am Ende positiv überrascht. Wenn man seine Vorfreude also im Zaum hält, könnte man mit dem Film wirklich Spaß haben.

Das Ende der Welt


Es ist schon problematisch, wenn auf dem Cover die DVD die Mitwirkung von Horror-Star Christopher Lee mit einem Foto beworben wird, das aus einem ganz anderen Film stammt. Die verunstaltete Fratze stammt nämlich nicht aus vorliegendem DAS ENDE DER WELT (End of the World, 1977), sondern aus DAS SCHLOSS DES GRAUENS (bereits hier vorgestellt. Wenn man bedenkt, dass besagter Streifen nicht mal gut ist, fragt man sich, warum man auf dieses Bild zurückgegriffen hat. Das wird klar, wenn man sich die Meinung, die Mr. Lee mittlerweile selbst vom ENDE DER WELT hat, anhört: Er wurde unter Vorspielung falscher Tatsachen zu dem Projekt gelockt (angeblich sollten solche US-Stars wie John Carradine mit von der Partie sein), musste aber vor Ort feststellen, dass der Titel des Films ganz zu recht gewählt wurde.

Der Wissenschaftler Andrew Boran (Kirk Scott) ist für eine Reihe von Vorträgen gemeinsam mit seiner Frau Sylvia (Sue Lyon) in den USA unterwegs. Gleichzeitig entdeckt er, dass von einem Ort ganz in seiner Nähe außerirdische Signale von der Erde aus ins All gesendet werden. Diese kündigen schreckliche Katastrophen an. Boran sucht den Ursprung dieser Signale und stößt dabei erst auf seinen alten Bekannten Militär-Commander Beckerman (Lew Ayres) und schließlich auf eine Nonnen-Abtei, die von Vater Pergado (Christopher Lee) geleitet wird. Schnell muss das Ehepaar Boran feststellen, dass in diesem Kloster nichts so ist, wie es zu sein scheint.

Christopher Lee sieht rot...

Selten habe ich einen so langweiligen Film gesehen. Es muss viel geschehen, dass ich mich dazu verleitet fühle, entweder auf die Sichtvorlauf-Taste der Fernbedienung zu drücken, oder die DVD gleich ganz auszumachen. Um meine journalistische Integrität zu wahren, habe ich weder das eine noch das andere getan, aber es war schwer, das kann ich euch sagen. In DAS ENDE DER WELT gibt es nichts, was den Zuschauer auch nur irgendwie bei der Stange halten können, da sämtliche Aspekte des Films einfach uninteressant sind. Wenn es wenigstens spektakulärer Trash wäre, aber nein...

Aushängeschild des Streifens ist ganz klar Gruselikone Lee. Während er im Prolog noch eine lachhafte Darstellung abliefert, gibt er sich im restlichen Film wenigstens Mühe, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Die anderen Cast-Mitglieder sind immerhin soweit positiv zu erwähnen, dass sie bei den abgrundtief schlecht geschriebenen Dialogen nicht in schallendes Gelächter ausbrechen. Es wäre mit Sicherheit interessant, die Outtakes zu sichten. Da würde auch die nervtötende Synthie-Musik fehlen, die sich durch den ganzen Film zieht. Am Ende ist sie zum akustischen Äquivalent eines Autounfalls geworden: Man möchte nicht hinhören, kann aber sich aber auch nicht losreißen.

"Was guck´s du?!"

In den letzten zehn Minuten läuft DAS ENDE DER WELT schließlich zu Hochtouren auf. Während der Untergang des Planeten in blaustichigen Archivaufnahmen diverser Naturkatastrophen dargestellt wird, bekommt der Zuschauer einen Blick auf ein peinliches Alien-Design und das wahrscheinlich uninteressanteste Ende der Filmgeschichte geboten. Als am Ende der an Schnüren aufgehangene blaue Ball namens Erde in einer Explosion untergeht, die erschreckend an die Komödie AMAZONEN AUF DEM MOND erinnert, könnte der Zuschauer sich nicht weniger für den Exitus seines Heimatplaneten interessieren. Upps. Das waren ja jetzt einige Spoiler. Aber egal, diejenigen, die das hier lesen, werden sich den Streifen hoffentlich ohnehin nicht angucken.

DAS ENDE DER WELT ist einfach ein mieser Film. Bis auf die letzte Einstellung gibt es wahrlichst nichts, das auch nur im Ansatz unterhaltsam sein könnte. Gut, dass Mr. Lee mittlerweile zum Ritter geschlagen wurde, denn irgendwie muss man den armen Mann doch dafür belohnen, solchen Mist überstanden zu haben. Fazit: Bitte ignoriert dieses Film, lasst ihn im Laden, oder im Internetversandhaus liegen - egal, zu welchem Preis er angeboten wird. DAS ENDE DER WELT ist wirklich so schlecht.

Dienstag, 26. Januar 2010

Der Dämon mit den blutigen Händen



Das nächste Mal, dass Ihr, liebe Leser, Euch einer Herztransplantation unterziehen müsst, glaubt nicht, was Euch diese versnobbten Mediziner der deutschen Ärzteschaft erzählen. Alles, was man für so eine Prozedur benötigt, ist eine Scheune, ein in einem Kessel mit heißem Wasser am Leben erhaltendes Herz, einen betrunkenen Landarzt und ein mit zittrigen Fingern geführtes Skalpell. Dies lernt der geneigte Zuschauer in DER DÄMON MIT DEN BLUTIGEN HÄNDEN (Blood of the Vampire, 1958), kein Hammerfilm, obwohl das Drehbuch von Jimmy Sangster (der für die britische Horrorschmiede im selben Jahr DRACULA schrieb) stammt, und die Geschichte in und um das berüchtigte Carlstadt spielt, einer der Orte, in denen der berühmte Vampir auf Geheiß von Hammer des öfteren umher geisterte. Dies ist auch kein Vampirfilm, auch wenn der englische Titel dies suggeriert (wahrscheinlich um auf der von DRACULA losgetretenen Welle rund um die Blutsauger mit zu reiten).

Wir schreiben das Jahr 1880: Jean-Pierre (Vincent Ball) steht vor Gericht. Dem jungen Mediziner ist ein Patient weggestorben, weil er ihn mit neuartigen Methoden behandelt hat. Scheinbar hat sich sogar sein ehemaliger Lehrmeister gegen ihn gewandt. Und so landet Jean-Pierre zum Schrecken seiner Braut Madeleine (Barbara Shelley) auf Lebenszeit in einem Hochsicherheitsgefängnis. Dies wird von dem finsteren Dr. Callistratus (Donald Wolfit) geleitet, der die Insassen für seine schrecklichen Experimente missbraucht. Als Jean-Pierre das Angebot bekommt, dem wahnsinnigen Wissenschaftler zu helfen, schlägt der Arzt dieses Angebot nicht aus. Als ihm die Tragweite von Callistratus´ Forschung klar wird, beginnt er, einen Fluchtplan zu schmieden. Da taucht Madeleine auf, in die sich Callistratus´ buckliger Gehilfe Carl (Victor Maddern) direkt verguckt...

"Noch ein Wort über meine Frisur, und ich schieße!"

Was für den Film spricht, ist seine verschwenderische Ausstattung, die guten Make-Up-Effekte und die authentische Atmosphäre. Schön ist auch die Darstellung des Helden. Jean-Pierre (Vincent Ball spielt sehr gut) ist ein ambitionierter Mediziner, der für offen für alles Neue ist. Dass er einen Pakt mit dem Teufel eingeht, nimmt er in Kauf, um sich selbst die Haft zu erleichtern, aber auch, um die wissenschaftliche Forschung voranzutreiben. Es braucht einen Moment, bis er voll und ganz begreift, dass er falsche Prioritäten gesetzt hat. Neben den üblichen Horrorklischees, die Drehbuchautor Sangster in seine Geschichte streut, gesellt sich noch eine gute Portion Ausbruchsdrama à la DER GRAF VON MONTE CHRISTO hinzu, was der (für die damaligen Zeit ziemlich blutrünstigen) Geschichte ein wenig Elan und Abenteuercharakter verleiht. Mit dem Nebencharakter Auron (Bryan Coleman) wird die Filmhandlung zudem geschickt vorangetrieben.

Was gegen den Film spricht, ist seine unglaubliche Naivität, die auch bereits 1958 hätte auffallen müssen. So waren es Dr. Callistratus und Jean Pierre, welche sich scheinbar zuerst mit der Kategorisierung von Blutgruppen beschäftigten; und wie man Herzen richtig transplantiert, wurde ja bereits oben erwähnt. Wenig einfallsreich ist zudem der bucklige Gehilfe des verrückten Wissenschaftlers. Nicht, dass man das schon tausendfach anderswo gesehen hat... Es wird auch nicht dadurch besser, dass sich eben dieser am Ende darauf besinnt, dass DER GLÖCKNER VON NOTRE-DAME gezeigt hat, dass Bucklige auch (tragische) Helden sein können. Die Regie wirkt zudem etwas angestaubt und erinnert in vielen Momenten an die Bildsprache der alten Universal-Horrorfilme. Ihr gelingt es nicht, einige lahme Plotpoints inszenatorisch aufzuwerten.

"Das ist aber ein fieser Pickel. Warten Sie, ich helfe Ihnen."

Kommen wir noch einmal zum „Vampir“ im englischen Originaltitel. Man darf sich getrost fragen, was dies sollte. Außer einem plumpen Versuch, sich an DRACULA anzuhängen, fällt einem da nichts zu ein. Im Prolog wird es zwar so hingestellt, dass die ahnungslosen Bürger Carlstadts Callistratus für einen Vampir hielten und ihn deswegen pfählten, aber hier haben Sangster und Regisseur Henry Cass Potential verschenkt, das weiter auszuloten. Am Ende bleibt ein motivationsarmer Bösewicht, der optisch wie der rundliche Bruder von Bela Lugosi anmutet. Unfreiwillig komisch wird’s im Showdown, als Donald Wolfit von einem Stuntman gedoubelt wird, der nun überhaupt keine Ähnlichkeit mit ihm hat.

Nett. Mehr aber auch nicht. Wer die Bildgewalt und eindringliche Atmosphäre der Hammerfilme gewohnt ist, wird nach dem Genuss von DER DÄMON MIT DEN BLUTIGEN HÄNDEN das Fazit ziehen müssen, dass hier versucht leider nur vergeblich versucht wurde, das große Vorbild zu erreichen. Es gibt einige gute Ansätze, aber das Potential wird an vielen Stellen einfach verschenkt. Unterhaltsam ist der Streifen aber allemal, und sollte Fans des Gothic-Horror 82 Minuten solider Unterhaltung bereiten.

Sonntag, 17. Januar 2010

Dracula 3000


Der schlechteste Film aller Zeiten. Ich habe ihn gefunden, und ich habe lange gesucht. Auch wenn meine Reviews hin und wieder das Gegenteil erscheinen lassen könnte, bin ich jemand, der mit Superlativen selten um sich schmeißt. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass SUPER MARIO GALAXY das beste Spiel ist, das ich jemals gespielt habe. Dennoch hat es nur 99% auf meiner Skala bekommen. Es könnte ja schließlich sein, dass eines Tages ein noch besseres Spiel in meinen verschwitzten Fingern landet. Bei DRACULA 3000 hingegen bin ich mir sicher, dass es nichts gibt, was nicht absichtlich schlecht sein soll, was noch mieser sein könnte, als diese Ausgeburt. Dieser Film ist so jenseits vom Begriff des Trashes anzusiedeln, dass bei aller Kuriosität keinerlei Anreiz besteht, sich damit zu strafen, die DVD in den heimischen Player zu schieben.

Ich habe ja mit nichts gutem gerechnet. Dafür muss man sich nur die Schauspieler-Truppe anschauen, die man aus ihren Löchern gelockt hat (mich würde wirklich interessieren, wie deren Gagen aussahen): Caspar STARSHIP TROOPERS Van Dien, Erika BAYWATCH Eleniak, Coolio (!) und Udo Kier (der ja wirklich in allem mitspielt, was bewegte Bilder hat). Ich kann aber noch einen draufsetzen: Alexandra Kamp. Ihr habt richtig gelesen. Alexandra Kamp. Wow. Es finden sich zudem in den Credits eine Vielzahl von deutschen Filmschaffenden, so dass ich wirklich den Eindruck habe, dass dieser Film eine Art Steuerabschreibungsprojekt darstellt. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ansonsten jemand wirklich geglaubt hat, dass dieser Streifen eine gute Idee darstellen könnte. Und wenn doch: Wie fühlt sich derjenige, nachdem er den Film gesehen hat?

Gegen schlechte Filme helfen nicht einmal Holzpfähle.

Im Jahr 3000 hat es der Kommunismus scheinbar zur vorherrschenden Gesellschaftsform auf der Erde gebracht, und das Ausüben von Religion ist strengstens verboten. Das Schürf-Schiff "Mother III" unter dem Kommando von Captain Van Helsing (Caspar Van Dien) stößt auf den verlassenen Frachter "Demeter". An Bord findet die Crew die sterblichen Überreste des Kommanders; vom Rest der Besatzung, oder von der Fracht ist nichts zu sehen - außer einigen Särgen, mit denen etwas nicht zu stimmen scheint. Bevor sich die Gruppe um Van Helsing und der Praktikantin Mina Murry (Alexandra Kamp) richtig orientieren kann, startet die "Mother III" und jagt führerlos davon. Während man berät, was zu tun ist, wird der Techniker 187 (Coolio) in einen Vampir verwandelt und stürzt sich auf seine ehemaligen Freunde. stößt Besatzungsmitglied Aurora (Erika Eleniak) auf einen mysteriösen Passagier der Demeter: Graf Orlock (Langley Kirkwood)...

Mehr über die Handlung ist unnötig und Platzverschwendung. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, zu beschreiben, wo dieser Film Probleme hat, also versuche ich einfach mal eine knappe Auflistung aller schlechten Dinge: Die Schauspieler (D-Niveau), die Effekte (PC-Spiele in den 90ern sahen besser aus), Make-Up (lachhaft), das Ende (eine Frechheit in Tüten). Das schlimmste ist mit Abstand aber sicherlich die Story. Die Drehbuchautoren haben hier versucht, möglichst viele Anspielungen auf DRACULA und dessen mediale Outings in eine Handlung einzubauen, die wie eine Kreuzung von ALIEN und EVENT HORIZON anmutet. Leider ergeben die wenigsten davon auch nur irgend einen Sinn und sind einfach nur da, damit irgendwann mal die Worte "Van Helsing" oder "Orlock" etc. fallen. Aaargh. Während man(n) dann doch bis zum Ende durchgehalten hat, und sich die Hoffnung zu erfüllen scheint, jetzt wenigstens noch eine entblätterte Erika Eleniak sehen zu können, wird einen coitus interruptus erleiden, denn das Budget hat dann wohl doch nicht dafür gereicht, die durchaus noch ansehnliche Eleniak dazu zu überreden, blank zu ziehen. Stattdessen hört der Film einfach auf. Einfach so. Kein Höhepunkt, keine Spannung. Nichts. Ende.

Dieser Mann hat sich DRACULA 3000 dreimal hintereinander angesehen...

DRACULA 3000 (2004) wirkt wie ein Amateurfilm, an dem niemand mitgewirkt hat, der auch nur annähernd eine Ahnung davon hat, wie man einen Film macht, geschweige denn eine kohärente Geschichte erzählt. Die Szenen mit Udo Kier scheinen wahllos in die Handlung geschnitten worden zu sein. Wahrscheinlich weil man am Ende merkte, dass man noch einen echten "Star" brauchte, um in der Masse an Direct-to-DVD-Produktion hervorzustechen. Doch, halt: Zumindest in Spanien hatte DRACULA 3000 eine Kinoauswertung. Dieser Film war irgendwo in einem Kino auf der Leinwand zu sehen. Das muss man sich mal vorstellen. Wahrscheinlich waren die Verleiher auf den Titel reingefallen, der ja vermuten lässt, dass wir es mit einer Fortführung von Wes Cravens (schlechter) DRACULA-Reihe zu tun haben.

Wie ich bereits vor kurzem an anderer Stelle schrieb: Als Dracula-Fan muss man mit Zelluloid-Unfällen umgehen können. Aber das hier ist wirklich der Gipfel, der Boden des Fasses und ein Trauerfest für alles, was einen Film schlecht machen kann. Wenn ein Film so mies ist, dass man nicht einmal von seiner Schlechtigkeit unterhalten werden kann, sollte dies ein rotes Tuch für jeden Anhänger guten Entertainments sein. Wenn es eine Hölle für Filmfreunde gibt, dann sieht sie aus wie DRACULA 3000.

Samstag, 16. Januar 2010

Avatar - Aufbruch nach Pandora


Alle sprechen von AVATAR. Und alle gehen hin. Okay, das war jetzt kein besonders gekonntes Wortspiel, aber es trifft durchaus zu. Wenn es einen Film der Stunde gibt, dann ist es der alle Rekorde brechende AVATAR. Regisseur James Cameron hat sich nach TITANIC lange Zeit gelassen, um mal wieder einen großen Kinofilm auf die Leinwände zu zaubern. Dabei hatte er vor, bereits nach seinem Ozean-Drama mit der Produktion seines lang gehegten Wunschprojektes zu beginnen. Doch die damals noch mangelhaften CGI-Möglichkeiten hielten ihn davon ab. Erst mit dem Auftauchen Gollums in DER HERR DER RINGE - DIE ZWEI TÜRME entschied Cameron - so will es die Legende -, dass es Zeit wäre, AVATAR auf die Menschheit loszulassen. Innerhalb kürzester Zeit schaffte es der Science-Fiction-Film auf Platz 2 der ewigen Bestenlisten - direkt hinter Titanic.

Dabei sah es am Anfang wohl gar nicht danach aus, dass mit AVATAR ein echter Hit in den Startlöchern standt. Bereits seit Jahren hypte Cameron das Projekt selbst, indem er verkündete, dass die Trickeffekte des Films alles bisher da gewesene in den Schatten stellen sollte. Und auch in Sachen 3D würde AVATAR die Konkurrenz weit hinter sich lassen. Noch besser: Für den Planeten Pandora, der den Schauplatz der Geschichte bildete, sollte ein komplett neues Ökosystem am Computer erschaffen werden. Dann kam der Trailer. Die Reaktionen waren verhalten bis enttäuscht. Die Szenen, welche der Zuschauer damals zu sehen bekam, sahen aus wie aus einem Videospiel, und das, was von der Handlung erkennbar war, wirkte wie eine platte Ökofabel. Jetzt ist AVATAR - AUFBRUCH NACH PANDORA (Avatar, 2010) seit ein paar Wochen hier und straft alle Zweifler (inklusive mir persönlich) ab. Wie gelingt dem Film das?

"Ja, das ist korrekt. Wir züchten hier Super-Schlümpfe."

Der Planet Pandora ist ein scheinbares Paradies. Auch wenn seine Atmosphäre für den Menschen giftig ist, wirkt die Welt mit ihren dichten Urwäldern, der unglaublichen Artenvielfalt von Flora und Fauna und ihren naturverbundenen Ur-Einwohnern, den blauhäutigen Na´vi, wie eine Erde, auf der sich der Mensch nie ausbreiten konnte. Dennoch haben die Bewohner des Planeten Erde ein Auge auf Pandora geworfen. Nur auf ihm findet man den überaus seltenen und wertvollen Stoff Unobtanium. Dummerweise kommt er gerade unter den heiligen Orten der Na´vi vor. Und diese möchten sich a) nicht umsiedeln lassen und b) ihre Kultplätze nicht dem schnöden Mammon der Menschen opfern. Die Schürfgesellschaft RDA entwickelt einen perfiden Plan: Das Avatar-Projekt. Im Reagenzglas werden bewußtseinslose Na´vi gezüchtet, deren DNA mit den Genen jeweils eines Menschen vermischt wurde. Dieser kann nun seinen Geist in diesen "Avatar" speisen und so in Feindesland aufbrechen, um die dort lebenden Na´vi davon "zu überzeugen", dass es besser wäre, die Bodenschätze den Menschen zu überlassen. Jake Sulley (Sam Worthington) ist einer der Leute, die dies bewerkstelligen sollen, nachdem sein Zwillingsbruder getötet wurde, und nun nur er Kontrolle über dessen Avatar übernehmen kann.
Der seit einem Unfall an den Rollstuhl gefesselte Sully ist berauscht von seinen ersten Ausflügen in seinem neuen Körper, kann er doch nun wieder laufen, springen und sich frei bewegen. Bald findet er Zugang zu den Na´vi und freundet sich mit der jungen Kriegerin Neytiri (Zoe Saldana) an. Je mehr Sulley die Kultur der Na´vi kennenlernt, desto mehr verliebt er sich in dieses alternative Leben. Doch in der Heimatbasis wird Colonel Quaritch (Stephen Lang) ungeduldig. Er und der Unternehmensleiter Selfridge (Giovanni Ribisi) werden nicht zögern, die Na´vi mit Gewalt aus ihrer Heimat zu vertreiben, wenn das Projekt "Avatar" scheitern sollte. Sully und die Na´vi-Forscherin Grace (Sigourney Weaver) bleibt nicht mehr viel Zeit.

Alle Welt fragt nach den Effekten, und ich kann sagen: "Ja, sie sind so gut, wie man denkt." Zu keiner Zeit hat man den Eindruck, dass man es mit einem Special-Effects-Spektakel zu tun hat, das am Computer entstanden ist. Obwohl die Schauspieler fast nur vor Green-Screens gespielt haben, gelingt es ihnen, völlig überzeugend durch Urwälder, Baumhöhlen, Gebirge und Raumschiffe zu wandern und mit den völlig realistisch und plastisch anmutenden Wesen zu interagieren. Die Mimik und Gestik der Na´vi ist absolut überzeugend und überträgt die Emotionen der Charaktere so gut, dass einem die Tränen in die Augen steigen könnten. AVATAR sollte man sich unbedingt auf 3D geben, da durch die Technik - abgesehen von den generellen Unzulänglichkeiten des Systems - die Effekte und die wunderschön zusammengestellten Bilder ihre volle Wirkung entfalten.

Mein erster Kritikpunkt lässt allerdings nicht lang auf sich warten. Für das protzig angekündigte Ökosystem des Planeten Pandora wirkt dies aber doch erstaunlich phantasielos. Im Grunde genommen sind alle Tiere und Pflanzen dieser ach so fremden Welt stark an irdische Lebensform angelehnt. Alles wirkt so, als hätte man Pferde, Vögel, Katzen etc. mit Dinosauriern gekreuzt und kreischend bunt angemalt. Ähnliches gilt für die Kultur der Na´vi. Hier hätte ich mir eine stärkere Fremdartigkeit gewüscht, so dass der Zuschauer Sulleys anfängliche Zurückhaltung nachvollziehen könnte und sich gemeinsam mit dem Protagonisten den Fremdwesen geöffnet hätte. Außerirdische küssen? Lachen? Weinen? Alles, so wie bei uns Menschen? Das funktioniert in STAR WARS, vielleicht sogar auch in STAR TREK und DOCTOR WHO, aber in einem Film, der ach so realistisch sein will, wirkt das sehr plump.

Die ersten zwanzig Minuten AVATARs schienen meine anfänglichen Befürchtungen zu bestätigen. So entsetzlich schlechtes Planting (das in gleich bleibender "Qualität" immer wieder im Film auftaucht) hätte ich im teuersten Film aller Zeiten nicht erwartet. Darüber hinaus ist die Story wenig innovativ. Ähnliches mit ähnlichen Intentionen hat man schon dutzendfach gesehen, und muss dafür nur das Kinderfernsehen einschalten (auch wenn man dort weniger Maschinengewehre und Battle-Mechs sehen dürfte). Außerdem weist die Handlung diverse Löcher auf, die nur so nach einer Extended-Fassung auf DVD schreien. Dazu gesellen sich noch diverse Logikfehler etc. Vor lauter Technikspielereien hat James Cameron hier scheinbar beim Drehbuch und Schnitt erheblich geschludert. Für einen Zyniker wäre die Sache damit gegessen, und AVATAR abgehakt.

"Ich verstehe Dich nicht. Warum soll ich mich umdrehen?"

Aber: So ist es nicht. James Cameron gelingt es, aus dieser naiven Story einen Epos zu stricken, der einen packt und nicht wieder loslässt. Das spannende Ende hinterlässt den Zuschauer mit einem tiefen Gefühl der Befriedigung und ist durchaus in der Lage, den Zuschauer dazu zu ermutigen, mal etwas Nähe zur Natur zu suchen. Die meisten Elemente, aus denen AVATAR gezimmert ist, wären für sich genommen lahm, naiv und unglaubwürdig. Aber zusammen entfalten sie ein echtes Kinoerlebnis, wie man es schon eine Weile lang nicht mehr gesehen hat. Ich weiß nicht, wie es ihm gelingt, aber es ist nun einmal so. Vielleicht tragen dafür auch die Schauspieler Verantwortung, die mit großem Einsatz dabei sind, und die Story fantastisch tragen und übermitteln. Alles ist ganz klassisch, und obwohl die meisten Charaktere auch schon x-mal so oder so ähnlich zu sehen waren, helfen sie dabei, diese Geschichte meisterhaft zu transportieren.

Ich bin mit der vorgefertigten Meinung ins Kino gegangen, eine lahme Ente vorzufinden. Ich kam aber mit dem Bild eines gewaltigen Adlers, hoch über den Wolken, heraus. Cameron hat mit seinem Wunschprojekt bewiesen, dass man einen Blockbuster der Marke Popcorn-Kino auf die Beine stellen kann, der aber dennoch so etwas wie eine Seele besitzt. Es ist verdammt schwierig, zu beschreiben, warum AVATAR mit all seinen Problemen nicht scheitert, sondern ein handwerklicher und - ja, ich sage es - künstlerische Erfolg ist. Möglicherweise kann man es so sagen: Ein Film, der aus den USA kommt, und eine so positive, weltoffene und von Toleranz geprägte Message besitzt, und dabei fantastisch unterhält, ist eben ein echtes Kleinod.

Das Grauen auf Black Torment


Ende der 50er und Anfang der 60er waren Horrorfilme Großbritanniens Exportschlager Nr.1. Vor allem die Streifen aus dem Hause Hammer machten in der Heimat, den USA und Europa großes Geld. Kein Wunder, dass findige Produzenten den Konkurrenten nicht alles vom Kuchen überlassen wollten. Und so taten sich Tony Tenser, der bislang als Pressesprecher und Filmverleiher gearbeitet hatte, und Michael Klinger, dem Besitzer eines Striptease-Lokals, zusammen. Nachdem sie anfangs in einem Kino Filme gezeigt hatten, die Probleme mit der britischen Zensurbehörde gehabt hatten, begannen sie nach einem Ausflug als Verleiher damit, erst Sexfilmchen, 1964 dann aber mit DAS GRAUEN AUF BLACK TORMENT (The Black Torment) einen Horrorfilm im besten britisch-gothischen Stil zu produzieren.

"Mein Gott, hast Du schöne Zähne!"

Sir Richard (John Turner) hat nach dem Tod seiner geliebten Frau wieder geheiratet. Mit seiner neuen Braut Elizabeth (Heather Sears) kehrt er nach den Flitterwochen auf das herrschaftliche Anwesen seiner Familie zurück. Doch in seiner Heimat wird Richard sehr unfreundlich empfangen. So heißt es doch, dass er sich vor kurzem an einem jungen Mädchen vergangen und sie ermordet haben soll. Aber wie kann das sein? Zum fraglichen Zeitpunkt, das weiß Richard genau, war er noch mit Elizabeth unterwegs. Es kommt noch schlimmer: Bald häufen sich die Anzeichen, dass seine erste Frau als Geist auf dem Anwesen herumspukt. Richard versinkt immer mehr im Schwermut. Weder Elizabeth noch sein bester Freund Seymor (Peter Arne) scheinen ihm helfen zu können. Eines Nachts überschlagen sich die Ereignisse.

BLACK TORMENT ist kein echter Horrorfilm. Fans der Hammer-Streifen werden am Ende vielleicht etwas enttäuscht darüber sein, dass eine waschechte, kernige Krimihandlung hinter all den Kostümen und verschwenderisch gestalteten Sets verborgen ist. Apropos: Da liegen auch die Stärken des Films: Die Ausstattung ist schön und muss sich hinter Produktionen der Konkurrenz in keiner Weise verstecken. Die Musik ist atmosphärisch, und die Regie zaubert stimmungsvolle Bilder auf die Leinwand bzw. Fernseher. Die unverbrauchten Schauspieler machen ihre Arbeit gut, und die deutsche Synchro ist sehr liebevoll gemacht.

"Passt der Sattel zu meinem Mantel? Was denken Sie?"

Der Film wurde in Deutschland einst damit beworben, dass alle, die das Ende verraten, von einem Fluch erfasst werden (worauf im deutschen Vorspann auch noch mal hingewiesen wird). Um auf Nummer sicher zu gehen, werde ich mich mit echten Spoilern daher zurückhalten. Doch dummerweise ist es so, dass man die Auflösung des Films bereits nach wenigen Minuten erraten hat. Das, was in den 60ern vielleicht noch überraschend war (ich glaub´s aber nicht), ist heute Klischee und vorhersehbar. Schade, denn damit verliert der Film das, was ihn eigentlich tragen sollte. Dabei kann das Drehbuch mit einigen Interessen Kniffen und Einfällen aufwarten. Das Ende bietet einen packenden Zweikampf, und dass die Charaktere allesamt eher ambivalent geraten und nicht durchweg sympathisch und damit "glattgeschliffen" wirken, verleiht dem Film einen spröden, realistischen Charme - wenn man so will.

DAS GRAUEN AUF BLACK TORMENT ist zweifellos ein Bereicherung für jeden Freund britischer Horrorkost. Handwerklich kann der Film mit Hammer auf jeden Fall mithalten. Wenn das großspurig angekündige Ende dann aber zum Rohrkrepierer avanciert, tut das schon weh. Trotzdem: Eine gewisse Spannung bleibt erhalten, da am Ende dann vielleicht doch die eine oder andere (kleinere) Überraschung Form annimmt, so dass man spätestens im großen Finale am Rande seines Sitzes hockt und an den Nägeln kaut. Fazit: Akzeptabel bis gut, aber ausbaufähig.

Draculas Blutnacht


Als Dracula-Fan und Sammler von Verfilmungen des Stoffes um den weltberühmten Blutsauger tut man sich schon hin und wieder einiges an. Während es Filme gibt, die als absolute Klassiker in die Geschichte eingegangen sind, haben andere hingegen - um es vorsichtig auszudrücken - Defizite. Von DRACULAS BLUTNACHT (The Return of Dracula, 1958) hatte ich nichts gehört, bis ich ihn beim Stöbern bei einer bekannten Internet-Verkaufsplattform entdeckt habe. Frei nach dem Motto "Alles, wo Dracula drauf steht, gehört in mein DVD-Regal", griff ich zu und bin nun um einen Film in meiner Sammlung reicher. Aber lohnt es sich, 82 Minuten (die Dauer des Films) seiner kostbaren Freizeit zu opfern?

Dracula (Francis Lederer) hat es hat satt. Hinter dem Eisernen Vorhang machen die Menschen ihm das Leben schwer, so dass er sich dazu genötigt fühlt, in den Westen abzuwandern. Der König der Vampire tötet einen rumänischen Künstler (Norbert Schiller) und nimmt dessen Identität an. Als Bellack Gordal reist er mit dem Zug (yup...) nach Kalifornien und zieht bei Tante Mayberry (Greta Granstedt) ein, die ihren vermeintlichen Neffen seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat, und daher auch nicht erkennt, dass der Fürst der Finsternis mit dem eigentlichen Verwandten nur bedingte bis überhaupt keine Ähnlichkeit besitzt. Auch Cousine Rachel (Norma Eberhardt) empfängt den scheinbaren Bellack mit offenen Armen. Sie wird erst misstrauisch, als erst die Katze ihres Bruders stirbt (yup...) und schließlich noch ihre beste Freundin Jennie (Virginia Vincent). Während Dracula bereits ein Auge auf Rachel geworfen hat, naht Rettung aus der Heimat des Vampirs...

Rauchen kann tödlich sein... wie man sieht...

Ach ja... Ich wünschte, dass ich sagen könnte, dass wir es hier mit einem trashigen Film zu tun haben, der aber gerade dadurch unterhält. Leider ist dem nicht so, da er einfach nur langweilig ist. Im Grunde genommen erzählt er die klassische Dracula-Geschichte nach, überspringt den Anfang in Transsilvanien und geht direkt in den zweiten Teil, in dem Dracula nach England zieht. Hier wird England aber durch ein Amerika der 50er Jahre ersetzt, das keimfreier nicht sein könnte. Der Handlungsbogen spannt sich dabei aber mit solch einer gähnend geringen Geschwindigkeit, dass man zu verstehen beginnt, was Dracula meint, wenn er von einem Jahrhunderte andauernden Leben spricht.

Es gibt exakt eine atmosphärische Szene, und das ist, als die untote Jennie einen Polizisten in eine Falle lockt. Ihre in ein helles Kleid gehüllte Gestalt, die man nur aus der Ferne sieht, wirkt schon gruselig. Leider wird dies umgehend ad absurdum geführt, als besagter Polizist augenblick von einem wilden Hund (Wolf?) ermordet wird, der gut sichtbar ein Halsband trägt (der Hund, nicht der Polizist). Wer nun glaubt, dass der Film vielleicht humoristisch gemeint sein könnte, dem möchte ich nur sagen, dass wir es hier mit einem so knarzig "ernsten" Movie zu tun haben, dass es schon staubt. Jeder Anflug von Selbstironie wurde im Keim erstickt. Man mag nicht glauben, dass wir es mit einer Produktion aus dem Hause United Artists zu tun haben. Wohlgemerkt: Der Firma, die kurz darauf JAMES BOND in Serie schickte...

Bitte! Nehmen Sie dieses Kreuz, nur lassen Sie uns aus diesem Vertrag!

Vielleicht gelingt es ja den Schauspielern etwas rauszureißen? Falsch gedacht. So ziemlich das gesamte Ensemble bleibt farblos. Der kolossalste Irrtum ist die Inszenierung von Dracula. Es sei denn, Regisseur Paul Landres (ein TV-Veteran) den Obervampir als pedophilen Staubsaugervertreter wirken lassen wollen. Einen "tollen" Einfall hatte Landres dann aber doch. In dem Moment, in dem Jennie gepfählt wird, sprudelt für einige Frames ihr Blut in schönstem Rot (während der Rest des Films in Schwarzweiß gehalten ist). Für einen amerikanischen Film vielleicht erschreckend, aber lachhaft im Vergleich zum DRACULA aus dem Hause Hammer, welcher im gleichen Jahr ins Kino kam, und der mindestens vier Klassen über dieser Produktion spielt.

Bizarrerweise trägt DRACULAS BLUTNACHT in den USA auch hin und wieder den Titel THE FANTASTIC DISAPPEARING MAN. Traurigerweise ist das mit Abstand das interessanteste am ganzen Film. Eine der uninteressantesten und blassesten Verfilmungen des Stoffes um den Vampir aus Transsilvanien. Außer absoluten Dracula-Fans und Sammlern alter Horrofilme (Mist, das trifft beides auf mich zu) nicht zu empfehlen. Aber schlechter geht´s auf jeden Fall. Schon mal etwas von DRACULA 3000 gehört? Nein? Den werde ich in Bälde hier besprechen.