
Na, endlich! Nachdem Capcom mit dem fix zusammengeschusterten RESIDENT EVIL: THE MERCENARIES 3D das Franchise schnell auf dem 3DS etablieren wollte, kommt nun – knapp ein halbes Jahr später – das „echte“ Spiel. Die ersten Trailer und die Demo, die MERCENARIES beinhaltete, zeigten, dass nach den Actionorgien, die Teil IV und V darstellten, eine Rückkehr zum echten Survival-Horror anstand, den man aus den Ursprüngen der Serie kannte. Ein wenig Ernüchterung stellte sich ein, als Capcom ankündigte, das vermeintlich unhandliche Circle-Pad Pro, das Nintendo extra für die 3DS-Version von MONSTER HUNTER TRI entwickelt hatte, zu unterstützen. Nachdem sich die Demo eigentlich perfekt mit nur einem Pad hatte spielen lassen, verwunderte diese Entscheidung etwas, aber das Entwicklungsstudio versprach, dass sich die Zombiehatz auf diese Weise noch intuitiver kontrollieren lassen würde.
Praktischerweise erschien RESIDENT EVIL REVELATIONS in einem Bündel mit besagter Erweiterung – und war ziemlich schnell vergriffen. Aber auch einzeln verkaufte sich das 3DS-Spiel international wie warme Semmeln und zeigte, dass sich z.B. Third-Party-Software auch auf Nintendo-Konsolen gut verkaufen, und dass man hier nicht nur Knuddelspiele á la SUPER MARIO oder NINTENDOGS absetzen kann. Interessanterweise wurde hier viel Geld und Mühe in die Übersetzung gesteckt. Wenn ich das richtig im Blick habe, haben wir es hier mit dem ersten RESIDENT EVIL zu tun, das über komplett deutschen Ton verfügt. Hier lässt sich gleich sagen: Die Synchro ist gut gelungen, auch wenn Veteranen sich erstmal daran gewöhnen müssen. Wer es gar nicht aushält, kann aber auch auf den englischen Ton zurückgreifen. Die Steuerung erfolgt fast ausschließlich über das Circle-Pad und die Tasten bzw. erweitert mit dem Circle-Pad Pro. Der Touchscreen wird für Menüs verwendet, und hin und wieder tauchen kleine Rätseleinlagen im Spiel auf, für die man den Stylus zur Hand nehmen sollte.
"Entweder Du machst hier sauber, oder es setzt was!"
Zeitlich ist RESIDENT EVIL REVELATIONS zwischen Teil IV und V angesiedelt und berichtet von den Ursprüngen der BSAA (Bioterrorism Security Assessment Alliance). Nach RESIDENT EVIL GAIDEN und RESIDENT EVIL DEAD AIM ist dies das dritte Spiel aus der Reihe, welches auf einem Kreuzfahrtschiff spielt. Während besagte Teile aber eher jenseits der offiziellen Handlung stehen, ist REVELATIONS fester Bestandteil der Storyline. Alles in allem „fühlt“ sich die Geschichte etwas „japanischer“ an. Soll heißen: Auch wenn das Spiel zeitlich vor ein paar Jahren einzuordnen ist, bekommen wir es mit teilweise extrem futuristischen Settings zu tun. Außerdem wirken auch ein paar Charaktere überzeichneter als man es bislang in der Reihe gewöhnt war. Prinzipiell ist das aber Geschmackssache und es ist erfrischend, dass man es mit einer großen Zahl scharf gezeichneter Figuren zu tun hat, anstatt sich auf zwei, drei und Myriaden von Monstern zu konzentrieren.
Jill Valentine, ehemaliges Mitglied der Sondereinheit S.T.A.R.S. und Überlebende der Tragödie von Raccoon City, hat sich gemeinsam mit Chris Redfield der internationalen Gruppierung der BSAA angeschlossen, die versucht, Bio-Terrorismus einzudämmen. Eines Tages wird Jill mit ihrem Kollegen Parker auf den führerlos im Mittelmeer treibenden Luxusliner Queen Zenobia geschickt. Nicht nur, dass es zu untersuchen gilt, was es mit dem vermeintlichen Geisterschiff auf sich hat, nein, auch ist Chris in den Stahleingeweiden verschwunden. Jill und Parker machen sich auf die Suche nach dem Kollegen und stoßen bald auf die ehemaligen Passagiere. Diese haben sich in schleimige Monster, die wie eine Mischung aus Blutegel, Mensch und Nacktmull anmuten, verwandelt und machen Jagd auf die Eindringlinge. Schnell steht fest: Hier muss ein neuer Virus am Werk sein. Doch Jill und Parker stehen damit erst am Anfang einer gewaltigen Verschwörung, deren Ausmaße und Verrat sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennen können.
Geschichte und Atmosphäre von RESIDENT EVIL REVELATIONS kann man am besten mit DIE HÖLLENFAHRT DER POSEIDON, ABYSS und VIRUS vergleichen. Ansonsten haben sich die Macher auch ein wenig durch die Konkurrenz von CALL OF DUTY inspirieren lassen. Alles in allem kein Nachteil, denn so haben sie ein Spiel geschaffen, das innerhalb der Reihe wirklich einzigartig ist, und vor allem zu Beginn sehr, sehr gruselig ist (hier trägt auch das tolle Sounddesign bei). Gegen Ende wird dann wieder etwas mehr geballert, aber zu dem Zeitpunkt würden die Schockeffekte des Anfangs ohnehin nicht mehr zünden. Toll ist auch, wie die Geschichte erzählt wird. Dies geschieht in Form von Episoden (zu deren Beginn sogar immer eine Zusammenfassung des bisherigen Geschehens gezeigt wird), und anstatt komplett auf dem Schiff stattzufinden, entfaltet sich die Story auch in gänzlich anderen Ecken der Welt. Zudem gibt es allerlei (spielbare) Rückblenden, um die relativ komplexe Geschichte anschaulicher zu machen. Das ist in mehrfacher Hinsicht positiv anzumerken, da es auf dem Kreuzfahrtschiff allein auf Dauer etwas eintönig wird, da hier doch ständig ähnliche Areale leicht verändert recycelt werden.
"Ich habe auch keine Ahnung, warum ich wie Peter Jackson aussehe!?"
Die Monster – oder „Ooze“, wie die häufigste Gattung heißt – sind schön eklig und durchaus kreativ in Szene gesetzt. Die Grafik ist ausgezeichnet, und der 3D-Effekt nützlich und schön anzusehen. Lediglich ein paar Animationen und die Lippen-Synchronisation der Figuren hätten etwas sauberer ausgearbeitet werden können. Die Steuerung funktioniert einwandfrei. Zugegeben, ich hab´s jetzt nur mit dem Circle-Pad Pro gezockt, aber da kann ich direkt Entwarnung geben: Auch wenn der 3DS durch die Peripherie schwerer und größer wird, liegt er jetzt viel besser in der Hand und fühlt sich fast wie ein Game-Controller an. Nach zehn Stunden sollte man den Abspann erreicht haben, aber selbst danach gibt es noch viel zu tun: Spezielle Missionen im „Raid-Modus“ stehen genauso wie neue Schwierigkeitsgrade zur Verfügung, um das Spielerlebnis noch etwas zu verlängern. Über Street-Pass oder im drahtlosen Spiel mit Freunden kann ebenfalls weiterer Content freigeschaltet werden.
RESIDENT EVIL REVELATIONS ist ein tolles Paket, das zeigt, dass große Spiele ihren Platz auf dem 3DS haben und dabei technisch einen astreinen Eindruck hinterlassen können. Das Spiel mag nicht so umfangreich wie andere Teile der Serie sein, und die überkandidelte Story schießt an manchen Stellen vielleicht auch über´s Ziel hinaus, aber dennoch dürften geneigte Gruselfans direkt von Beginn an von der Atmosphäre gepackt werden und das Spiel erst wieder aus der Hand legen, wenn der letzte groteske Obermotz besiegt wurde. Eine absolute Empfehlung und für Resi-Fans ganz klar ein Kaufgrund für den 3DS.

























