Sonntag, 12. Februar 2012

Resident Evil Revelations


Na, endlich! Nachdem Capcom mit dem fix zusammengeschusterten RESIDENT EVIL: THE MERCENARIES 3D das Franchise schnell auf dem 3DS etablieren wollte, kommt nun – knapp ein halbes Jahr später – das „echte“ Spiel. Die ersten Trailer und die Demo, die MERCENARIES beinhaltete, zeigten, dass nach den Actionorgien, die Teil IV und V darstellten, eine Rückkehr zum echten Survival-Horror anstand, den man aus den Ursprüngen der Serie kannte. Ein wenig Ernüchterung stellte sich ein, als Capcom ankündigte, das vermeintlich unhandliche Circle-Pad Pro, das Nintendo extra für die 3DS-Version von MONSTER HUNTER TRI entwickelt hatte, zu unterstützen. Nachdem sich die Demo eigentlich perfekt mit nur einem Pad hatte spielen lassen, verwunderte diese Entscheidung etwas, aber das Entwicklungsstudio versprach, dass sich die Zombiehatz auf diese Weise noch intuitiver kontrollieren lassen würde.

Praktischerweise erschien RESIDENT EVIL REVELATIONS in einem Bündel mit besagter Erweiterung – und war ziemlich schnell vergriffen. Aber auch einzeln verkaufte sich das 3DS-Spiel international wie warme Semmeln und zeigte, dass sich z.B. Third-Party-Software auch auf Nintendo-Konsolen gut verkaufen, und dass man hier nicht nur Knuddelspiele á la SUPER MARIO oder NINTENDOGS absetzen kann. Interessanterweise wurde hier viel Geld und Mühe in die Übersetzung gesteckt. Wenn ich das richtig im Blick habe, haben wir es hier mit dem ersten RESIDENT EVIL zu tun, das über komplett deutschen Ton verfügt. Hier lässt sich gleich sagen: Die Synchro ist gut gelungen, auch wenn Veteranen sich erstmal daran gewöhnen müssen. Wer es gar nicht aushält, kann aber auch auf den englischen Ton zurückgreifen. Die Steuerung erfolgt fast ausschließlich über das Circle-Pad und die Tasten bzw. erweitert mit dem Circle-Pad Pro. Der Touchscreen wird für Menüs verwendet, und hin und wieder tauchen kleine Rätseleinlagen im Spiel auf, für die man den Stylus zur Hand nehmen sollte.

"Entweder Du machst hier sauber, oder es setzt was!"

Zeitlich ist RESIDENT EVIL REVELATIONS zwischen Teil IV und V angesiedelt und berichtet von den Ursprüngen der BSAA (Bioterrorism Security Assessment Alliance). Nach RESIDENT EVIL GAIDEN und RESIDENT EVIL DEAD AIM ist dies das dritte Spiel aus der Reihe, welches auf einem Kreuzfahrtschiff spielt. Während besagte Teile aber eher jenseits der offiziellen Handlung stehen, ist REVELATIONS fester Bestandteil der Storyline. Alles in allem „fühlt“ sich die Geschichte etwas „japanischer“ an. Soll heißen: Auch wenn das Spiel zeitlich vor ein paar Jahren einzuordnen ist, bekommen wir es mit teilweise extrem futuristischen Settings zu tun. Außerdem wirken auch ein paar Charaktere überzeichneter als man es bislang in der Reihe gewöhnt war. Prinzipiell ist das aber Geschmackssache und es ist erfrischend, dass man es mit einer großen Zahl scharf gezeichneter Figuren zu tun hat, anstatt sich auf zwei, drei und Myriaden von Monstern zu konzentrieren.

Jill Valentine, ehemaliges Mitglied der Sondereinheit S.T.A.R.S. und Überlebende der Tragödie von Raccoon City, hat sich gemeinsam mit Chris Redfield der internationalen Gruppierung der BSAA angeschlossen, die versucht, Bio-Terrorismus einzudämmen. Eines Tages wird Jill mit ihrem Kollegen Parker auf den führerlos im Mittelmeer treibenden Luxusliner Queen Zenobia geschickt. Nicht nur, dass es zu untersuchen gilt, was es mit dem vermeintlichen Geisterschiff auf sich hat, nein, auch ist Chris in den Stahleingeweiden verschwunden. Jill und Parker machen sich auf die Suche nach dem Kollegen und stoßen bald auf die ehemaligen Passagiere. Diese haben sich in schleimige Monster, die wie eine Mischung aus Blutegel, Mensch und Nacktmull anmuten, verwandelt und machen Jagd auf die Eindringlinge. Schnell steht fest: Hier muss ein neuer Virus am Werk sein. Doch Jill und Parker stehen damit erst am Anfang einer gewaltigen Verschwörung, deren Ausmaße und Verrat sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennen können.

Geschichte und Atmosphäre von RESIDENT EVIL REVELATIONS kann man am besten mit DIE HÖLLENFAHRT DER POSEIDON, ABYSS und VIRUS vergleichen. Ansonsten haben sich die Macher auch ein wenig durch die Konkurrenz von CALL OF DUTY inspirieren lassen. Alles in allem kein Nachteil, denn so haben sie ein Spiel geschaffen, das innerhalb der Reihe wirklich einzigartig ist, und vor allem zu Beginn sehr, sehr gruselig ist (hier trägt auch das tolle Sounddesign bei). Gegen Ende wird dann wieder etwas mehr geballert, aber zu dem Zeitpunkt würden die Schockeffekte des Anfangs ohnehin nicht mehr zünden. Toll ist auch, wie die Geschichte erzählt wird. Dies geschieht in Form von Episoden (zu deren Beginn sogar immer eine Zusammenfassung des bisherigen Geschehens gezeigt wird), und anstatt komplett auf dem Schiff stattzufinden, entfaltet sich die Story auch in gänzlich anderen Ecken der Welt. Zudem gibt es allerlei (spielbare) Rückblenden, um die relativ komplexe Geschichte anschaulicher zu machen. Das ist in mehrfacher Hinsicht positiv anzumerken, da es auf dem Kreuzfahrtschiff allein auf Dauer etwas eintönig wird, da hier doch ständig ähnliche Areale leicht verändert recycelt werden.

"Ich habe auch keine Ahnung, warum ich wie Peter Jackson aussehe!?"

Die Monster – oder „Ooze“, wie die häufigste Gattung heißt – sind schön eklig und durchaus kreativ in Szene gesetzt. Die Grafik ist ausgezeichnet, und der 3D-Effekt nützlich und schön anzusehen. Lediglich ein paar Animationen und die Lippen-Synchronisation der Figuren hätten etwas sauberer ausgearbeitet werden können. Die Steuerung funktioniert einwandfrei. Zugegeben, ich hab´s jetzt nur mit dem Circle-Pad Pro gezockt, aber da kann ich direkt Entwarnung geben: Auch wenn der 3DS durch die Peripherie schwerer und größer wird, liegt er jetzt viel besser in der Hand und fühlt sich fast wie ein Game-Controller an. Nach zehn Stunden sollte man den Abspann erreicht haben, aber selbst danach gibt es noch viel zu tun: Spezielle Missionen im „Raid-Modus“ stehen genauso wie neue Schwierigkeitsgrade zur Verfügung, um das Spielerlebnis noch etwas zu verlängern. Über Street-Pass oder im drahtlosen Spiel mit Freunden kann ebenfalls weiterer Content freigeschaltet werden.

RESIDENT EVIL REVELATIONS ist ein tolles Paket, das zeigt, dass große Spiele ihren Platz auf dem 3DS haben und dabei technisch einen astreinen Eindruck hinterlassen können. Das Spiel mag nicht so umfangreich wie andere Teile der Serie sein, und die überkandidelte Story schießt an manchen Stellen vielleicht auch über´s Ziel hinaus, aber dennoch dürften geneigte Gruselfans direkt von Beginn an von der Atmosphäre gepackt werden und das Spiel erst wieder aus der Hand legen, wenn der letzte groteske Obermotz besiegt wurde. Eine absolute Empfehlung und für Resi-Fans ganz klar ein Kaufgrund für den 3DS.


Samstag, 11. Februar 2012

The Whisperer in Darkness


Man kann über seinen Schreibstil und seine Ansichten geteilter Meinung sein, muss aber anerkennen, dass H.P. Lovecraft einer der einflussreichsten Autoren in Sachen Horror und Science-Fiction war, und seine Geschichten noch immer viele Schriftsteller prägen und inspirieren. Der von seinen Fans liebevoll – aber nicht ganz zutreffend – genannte „Cthulhu-Mythos“ ist wohl das, wofür der 1937 verstorbene Lovecraft besonders bekannt ist. Grob gesagt geht es in diesen Geschichten um unglückliche Menschen, die herausfinden, dass sie nicht mehr als Marionetten sind in einem Universum, das von uralten Gottheiten und dämonischen Wesen beherrscht wird. Diese haben vor, die Erde, welche einst ihr Tummelplatz war, wieder unter ihre Herrschaft zu zwingen. Die winzige Menschheit hat darin keinen Platz, und die wenigen, welche der Wahrheit hinter Cthulhu, Shub-Niggurath, Yog-Sothoth und Konsorten nahe kommen, verfallen dem Wahnsinn. Ein Happy-End bieten die wenigsten Kurzgeschichten und Romane aus der Feder Lovecrafts.

Inspirierend wie diese Werke waren, sorgten sie dafür, dass viele Autoren eigene Geschichten in der Welt Cthulhus ansiedelten (darunter auch Wolfgang Holbein mit seiner „Der Hexer aus Salem“-Reihe). Und natürlich entdeckten auch andere Medien Lovecraft für sich. Neben diversen Computer- und Videospielen, die seit den 80er Jahren auf den Markt kamen, ist es selbstverständlich der Film, welcher sich anbietet, die gruseligen Epen aufzugreifen und zu adaptieren. Hier muss man allerdings sagen, dass sich die Lovecraft-Geschichten aufgrund ihrer Erzählweise und der oftmals mangelnden Handlung im Gegensatz zu ausufernden Beschreibungen nur schwierig in klassische Drehbücher umwandeln lassen können. Meistens hat das zur Folge gehabt, dass die Verfilmungen nur noch wenig mit der Vorlage gemein hatten (VODOO CHILD oder CTHULHU), oder nur einzelne Elemente des Mythos beinhalteten (z.B. die Episode CROUCH END aus der Stephen-King-Mini-Serie NIGHTMARES & DREAMSCAPES).

"Werde Schauspieler, haben sie gesagt. Drehe an den schönsten, sonnigen Orten, haben sie gesagt."

Das wollte die „H.P. Lovecraft Historical Society“ ändern. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von Fans, die zum einen dem „Call of Cthulhu“-Rollenspiel nahestehen, zum anderen es sich zum Ziel gemacht hatten, die Stoffe des Mannes aus Rhode Island adäquat nachzuerzählen. Das wurde in toll gemachten Hörspielen begonnen und gipfelte vorerst in einem stimmungsvollen Stummfilm zu THE CALL OF CTHULHU. Als nächstes großes Projekt wurde Lovecrafts THE WHISPERER IN DARKNESS in Angriff genommen. Da es sich hierbei um ein Fanprojekt handelte, dauerte es Jahre, bis das ambitionierte Projekt eines 104 Minuten langen Spielfilms endlich soweit war, auf die Menschheit losgelassen zu werden. Abgesehen von einigen digitalen Effekten legte man großen Wert darauf, den in Schwarzweiß abgedrehten Film aussehen zu lassen, als wäre er in den 30er oder 40er Jahren entstanden. Abgesehen von einigen Festivals kann man ihn sich in Form einer liebevoll gestalteten Doppel-DVD, die man sich direkt bei der HPLHS in den USA bestellen und ohne Probleme auch auf Regio-Code-2 DVD-Playern abspielen kann, gönnen.

Wissenschaftler Wilmarth (Matt Foyer) – an der Arkham-Universität bekannt für seine Skepsis in Bezug auf scheinbar übernatürliche Geschehnisse – macht die Bekanntschaft mit dem jungen George Akeley (Joe Sofranko). Dieser berichtet von unheimlichen Wesen, welche in der Nähe des Örtchens Townsend gesichtet wurden, und die Farm seines Vaters Henry (Barry Lynch) bedrohen. Auf verschwommenen Fotos sind seltsame Fußabdrücke zu erkennen, und unter bestimmten Lichtverhältnissen können Wilmarth und sein Freund und Mentor Ward (Matt Lagan) auf den Bildern den Kadaver eines Tiers erkennen, das mit nichts zu vergleichen ist, was die Schulweisheit bis dato kennt. Schließlich will George weitere Beweise bringen, um die Hilfe des noch zögernden Wilmarth, zu sichern. Doch der junge Akeley kehrt nicht mehr nach Arkham zurück. Briefe dessen Vaters, die zunehmend alarmierend zu lesen waren, nehmen plötzlich einen harmloseren Ton an und laden den Professor ein, sich vor Ort selbst davon zu überzeugen, dass in Townsend nun doch alles in Ordnung ist. Darüber hinaus bittet Akeleys, sämtliche Fotos und Unterlagen, die er bis dato erhalten hat, zur „Sichtung“ mitzubringen. Beunruhigt setzt sich Wilmarth in den Zug Richtung Vermont – und tappt geradewegs in eine schreckliche Falle.

Cue: E.T.-Thema

Selbst, wenn es sich nicht um einen Fanfilm handeln würde, müsste man feststellen, dass wir es hier mit einer gelungenen, fast werkgetreuen Verfilmung der Romanvorlage zu tun haben. THE WHISPERER IN DARKNESS (2011) hat natürlich kein Hollywood-Budget zur Verfügung gehabt, und das sieht man auch an den digitalen Effekten, die zwar toll designt sind, aber oftmals eben als Tricks deutlich erkennbar sind. Das stört aber nicht wirklich, da viele gruselige Momente komplett ohne Spezialeffekte auskommen und voll und ganz von der tollen Atmosphäre leben, die sich von Anfang an durch den Film zieht. In Sachen Regie und Dramaturgie hält WHISPERER mit guter B-Ware mit, und auch die Schauspieler machen ihren Job gut. Alles ist sehr professionell und zeigt, wie ein großes Studio mit dem Stoff umgehen müsste, um ihn vorlagengerecht umzusetzen. Das beinhaltet allerdings auch das Finale, das sehr Hollywood-mäßig daher kommt und nicht wirklich zu Lovecraft passt. Zu viel (unglaubwürdige) Action hat mich dann doch etwas schlucken lassen. Und eine Nebenhandlung in Bezug auf Wilmarth ist ebenfalls arg klischeebeladen. Hier hätte ich mir etwas weniger Mainstream gewünscht.

Trotz dieser kleinen Wermutstropfen kann ich jedem Lovecraft-Fan und Freund außergewöhnlicher Horrorfilme dieses kleine Juwel wärmstens empfehlen. Die HPLHS bietet die DVD zu einem fairen Preis inklusive Versand, sowie eine problemlose Bezahlung via Paypal an. Und auch diverse deutsche Shops haben den Streifen mittlerweile im Angebot. Leichter kann man es einem nicht machen, sich diese Disc zu sichern. Nach den tollen Trailern, die man sich schon vor Jahren bei Youtube ansehen konnte, wurde meine Erwartungshaltung aufgrund der oben erwähnten Brüche zwar nicht ganz erfüllt, aber dennoch sollte man diese Filmemacher, die ihr Hobby und ihre Verehrung für Lovecrafts Geschichten so liebevoll umgesetzt haben, unterstützen.

Donnerstag, 9. Februar 2012

Graf Dracula in Oberbayern


1990 war es, als ich meine Eltern endlich rumkriegte, mir einen eigenen Fernseher für´s „Kinderzimmer“ zu kaufen. Immerhin stand an, dass ich mir mein Nintendo Entertainment System holen würde, und das Argument, dass ich die große Flimmerkiste im Wohnzimmer unentwegt mit Super Mario und Konsorten belagern würde, sorgte dafür, dass ich ein kleines, aber feines TV bei mir unterbringen durfte. Neben dem NES schloss ich auch eine 60er-Jahre-Zimmerantenne aus dem Fundus meiner Oma mit an, und konnte damit fortan ARD, ZDF, WDR und (mal mehr, mal weniger verschneit) sogar Sat.1 und RTLplus empfangen. Da ich zu dieser Zeit an die Pforten meiner Pubertät klopfte, war klar, dass ich jede Gelegenheit nutzen würde, das Nachtprogramm der Privatsender unter die Lupe zu nehmen. Und so kam ich in den „Genuss“ solcher Filme wie LIEBESGRÜSSE AUS DER LEDERHOSE. Da quälte man sich durch eine furchtbar schlechte „Komödie“, nur um zwischendurch etwas nackte Haut oder sogar eine Sex-Szene (in der die Protagonisten oftmals sogar die Hosen anbehielten) zu sehen. Was soll ich sagen? Erbärmlich, aber das hat uns Jungs damals gereicht, um die Hormone in Wallung zu bringen.

Wieso ich diese peinliche Episode meines Filmfan-Daseins erwähne? Nun, genau in die Kerbe wie diese bayerischen Softsex-Filmchen, deren Darsteller und Macher sich später für die Teilnahme an diesen Streifen schämen würden, schlägt ein Film, den ich mir nur gekauft habe, um meine „Dracula“-Sammlung komplett zu halten: GRAF DRACULA IN OBERBAYERN (1979), der vor seiner DVD-Verwertung noch etwas unhandlicher „Graf Dracula beißt jetzt in Oberbayern“ hieß. Entstanden unter dem Banner der Lisa-Film-Produktionsfirma, von der zahllose Sexklamotten, aber auch spätere Meisterwerke wie DIE SUPERNASEN, ZWEI NASEN TANKEN SUPER und ZÄRTLICHE CHAOTEN stammen. Unter den Darstellern dürften Fans des gepflegten Busenblitzers Playmate Bea Fiedler, die in mehreren EIS AM STIEL Teilen vertreten war, wiedererkennen. Zudem spielen WINNETOU-Veteran Ralf Wolter und der junge Tobias Meister mit. Von letzterem kennt man in erster Linie dessen Stimme, ist er doch ständiger Synchronsprecher von Brad Pitt, Kiefer Sutherland und Gary Sinise (neben seinen Tätigkeiten als Dialogregisseur). Ironischerweise scheint er hier von einem anderen Darsteller nachsynchronisiert worden zu sein.

"Ein Kreuz ist es mit diesem Film!"

Um an Geld zu kommen, wandelt Fotograf Stani (Gianni Garko) das in Oberbayern gelegene Schloss seiner Vorfahren in eine Discothek um. Die Warnungen des alten Dieners Boris (Ralf Wolter) werden dabei völlig ignoriert. Und auch die Bemühungen der Dorflehrerin (Ellen Umlauf), den Bürgermeister (Alexander Grill) davon zu überzeugen, dass es sich bei der Tanzbude eigentlich um ein verstecktes Bordell handelt, werden in den Wind geschlagen – wahrscheinlich, weil es das Stadtoberhaupt selbst auf die vielen jungen Dinger abgesehen haben, die im Schloss nicht nur tanzen, sondern auch relativ freimütig Klamotten und Hemmungen fallen lassen. Sie alle haben aber die Rechnung ohne den Wirt, bzw. Grafen gemacht. Stanis Ahne Graf Stanislaus (ebenfalls Gianni Garko) und seine Braut Gräfin Olivia (Betty Vergès) – beides blutrünstige Vampire – machen sich daran, den roten Lebenssaft der jungen Leute anzuzapfen.

Belanglos. Das umschreibt diesen Film völlig ausreichend. Ich schreibe trotzdem noch ein bisschen. Technisch gesehen ist der Film gar nicht mal schlecht. Wenn man die typische deutsche Massenproduktion aus diesem Zeitraum kennt, weiß man, dass hier handwerklich keine großen Fehler gemacht werden. Regie (und Drehbuch!) gehen auf das Konto von Carl Schenkel, der später den Götz-George-Reißer ABWÄRTS und den Psychothriller KNIGHT MOVES inszenieren und dabei echtes handwerkliches Können beweisen sollte. Bei einigen Darstellern blitzt sogar ein wenig Slapstick-Talent auf, das in Fernsehserien wie NONSTOP NONSENS durchaus gut aufgehoben wäre. Und was ich sogar richtig gut fand, war die stimmungsvolle Musik in den „Gruselszenen“ - über die Songs breite ich indes lieber den Mantel des Schweigens aus.

"Aaaahr!!!! Was hat mich nur dazu gebracht, hier mitzuspielen?!"

Und ansonsten? Belanglos, aber das sagte ich ja schon. Nichts an diesem Film ist wirklich bemerkenswert. Die Story stolpert vor sich hin und ist hanebüchen, die Sexszenen langweilig und unerotisch, der Witz hohl. Alles strahlt eine schreckliche Spießigkeit aus und macht schlicht und ergreifend keinen Spaß. Ich hoffe, dass alle Beteiligten während der Dreharbeiten die Sonne Oberbayerns genossen und die Abende für deftiges Abfeiern genutzt haben, denn sonst ist hier nichts auch nur annähernd Unterhaltsames bei herumgekommen.

Und dennoch kann ich hier nicht die „Höchststrafe“ verhängen, denn: Die absolute Nichtigkeit dieses Films ist auf einem soliden Niveau entstanden, und auch wenn man sich durch die 90 Minuten Laufzeit quält, merkt man immerhin, dass ein Großteil der Beteiligten zumindest theoretisch mehr auf dem Kasten gehabt hätte. In Anbetracht dessen, dass hier zwar ein Vampir vorkommt, der wie Dracula aussieht, es aber nicht ist, empfehle ich nur den wirklich Hartgesottenen, die sich für nichts schämen, was in ihrem DVD-Regal zu finden ist, diese Disc zu erwerben.

Mittwoch, 8. Februar 2012

Star Wars - Episode I: Die dunkle Bedrohung 3D



Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich vor etwas mehr als zwölf Jahren mit meinen besten Freunden in Berlin weilte, um dort die Deutschland-Premiere von STAR WARS – EPISODE I: DIE DUNKLE BEDROHUNG zu erleben. Es war eine tolle Zeit, und ich glaube, am zweiten Tag haben wir den Film direkt zweimal hintereinander gesehen. Als klar war, dass George Lucas seine Sternenkriegs-Saga erneut in die Kinos bringen würde, stand für mich fest, dass ich das mitnehmen würde. Zwar konnte ich dies diesmal nicht in Gesellschaft der Bande von damals erleben, aber dennoch war es toll, und zeigte mir, dass Lucas trotz aller Unkenrufe offenbar alles richtig gemacht hatte mit diesem ersten der drei Prequels.

Auch wenn es „Fans“ gibt, die meinen, dass der Schöpfer der Originaltrilogie das Erbe eben dieser mit seiner Vorgeschichte mit Füßen getreten hat, und deren „Kindheit vergewaltigt“ hat, scheint das große Publikum dies anders zu sehen. Wie sonst kann man erklären, wie die Leute, die um mich herum saßen, reagiert haben? Eine Frau hat bei Anakins Abschied von seiner Mutter geweint, beinahe alle haben über Jar Jars Albernheiten gelacht und beim Pod-Rennen begeistert gejauchzt. Aber das Beste: Es gab Applaus, als schließlich der Abspann über die Leinwand flimmerte. Bei welchen Filmen erlebt man so etwas heute noch? Scheinbar bei der ach so schlechten DUNKLEN BEDROHUNG.

"Hey! Du klingst ja wie Johnny-Five!?"

Aber wo viel Licht, da auch viel Schatten: Bereits vor ein paar Monaten habe ich ausführlich über die Entstehung, Hintergründe und Story von EPISODE I berichtet, weshalb ich es mir sparen will. Vielmehr möchte ich über den eigentlichen Grund der Wiederveröffentlichung des Films schreiben. 3D. Seit James Camerons AVATAR ist dieses Gimmick (denn viel mehr ist es in meinen Augen nicht) das „neue große Ding“, und jeder potentielle Blockbuster wird mit Tiefeneffekten, für deren Wahrnehmung man sich eine spezielle Brille auf die Nase setzen muss, „aufgewertet.“ Bereits einige Zeit, bevor die Produktion von AVATAR in die heiße Phase ging, hatte George Lucas erklärt, dass er beabsichtigte, seine STAR WARS Saga noch einmal zu veröffentlichen – diesmal allerdings in 3D. Seine Techniker und er werkelten eine ganze Weile an einer Möglichkeit, die Filme entsprechend zu konvertieren, aber es war mal wieder die Arbeit eines anderen Regisseurs, die Lucas zeigte, welche Möglichkeiten mittlerweile existierten (zuvor war ihm dies bereits durch die digitalen Effekte des JURASSIC PARK seines Freundes Steven Spielberg geschehen). Und so verkündete Lucasfilm, dass ab Februar 2012 jedes Jahr ein STAR WARS Film in 3D in die Kinos gebracht werden würde.

Jetzt ist DIE DUNKLE BEDROHUNG („Star Wars – Episode I: The Phantom Menace 3D“, 2012) da, und ich muss sagen: Nett. Mehr nicht. Zwar ist der Film an sich über jeden Zweifel erhaben und funktioniert noch immer genauso wunderbar wie vor 12 Jahren, aber die 3D-Konvertierung lässt doch mehr als zu wünschen übrig. Es ist schon bezeichnend, dass der beste Tiefeneffekt zum tragen kommt, wenn Untertitel eingeblendet werden und deutlich im Vordergrund erscheinen. Bis zum Pod-Rennen war ich – gelinde gesagt – extrem enttäuscht. Zwar gab es immer wieder ein paar nette 3D-Momente, aber der „Wow“-Effekt blieb aus. Das änderte sich bei besagter Action-Sequenz, die zugegebenermaßen spektakulärer denn je aussah. Danach schien es beim Effekt-Team „klick“ gemacht zu haben, denn von da an, sah der Film viel besser aus. Doch wenn ich „besser“ sage, dann meine ich maximal „akzeptabel“. Denn EPISODE I 3D ist meilenweit von AVATAR und selbst solchen Streifen wie UNDERWORLD AWAKENING und RESIDENT EVIL AFTERLIFE entfernt. Sogar LEGO STAR WARS III auf dem 3DS sieht in Sachen Dreidimensionalität um Längen besser aus. Schade, schade.

"Du willst mehr Dialogzeilen, Maul? Nur über meine Leiche!"

Wer ins Kino geht, um STAR WARS endlich mal wieder auf großer Leinwand mit Publikum zu erleben, sollte nicht zögern, und sich zum Lichtspielhaus seines Vertrauens begeben. Wer sich aber auf den Weg macht, um STAR WARS in 3D zu sehen, sollte sich auf eine kleine Enttäuschung gefasst machen. So oder so, ich werde natürlich – sofern die Veröffentlichungspläne nicht fallengelassen werden – auch im nächsten Jahr wieder im Kinosaal sitzen, um EPISODE II zu erleben. Und vielleicht überraschen George Lucas und seine Mannen uns ja mit einer etwas aufgebohrten Technik.

PS: Die Filmfassung ist abgesehen vom 3D-Effekt identisch zur im letzten Jahr auf Bluray veröffentlichten Version. Also: Keine neuen Szenen, SFX, etc. Passt aber.

PPS: Wertung entfällt, da ich den Film ja bereits benotet habe, und ich das 3D als zu unbedeutend ansehe, als dass ich meine Einschätzung anpassen müsste.

Mittwoch, 25. Januar 2012

RoboCop


In den 80er Jahren ist eine Menge guter Actionfilme entstanden, die thematisch im Bereich Science-Fiction anzusiedeln waren und beim Publikum so gut ankamen, dass sie fest heute, bald dreißig Jahre später, immer noch Teil der Popkultur sind. Darunter fallen Streifen wie TERMINATOR, TOTAL RECALL, PREDATOR, ALIENS aber eben auch ROBOCOP. Letzter war so erfolgreich, dass er zwei Fortsetzungen, Fernsehserien, Comics, Videospiele und einen Schwung an Merchandising, der bis heute anhält, generieren konnte. Nicht alles, was früher gut war, hat den Zahn der Zeit schadlos überstanden. Wie sieht es mit diesem futuristischen „Dirty Harry“ aus?

Die Entstehungsgeschichte von ROBOCOP („RoboCop“, 1987) ist wie bei vielen Filmen eine steinige. Mehrere Regisseure und Hauptdarsteller wurden verschlissen, bis der erste Meter Film durch die Kameras gerollt war. Schließlich entschieden sich die Produzenten für den Niederländer Paul Verhoeven. Dieser hatte kurz zuvor mit FLESH AND BLOOD bewiesen, dass er blutige Action im großen Stil, aber mit Niveau und guter Schauspielerführug beherrschte. Der Charakter des Robocop war von Anfang an von „Judge Dread“ einer ultraharten Comicfigur aus Großbritannien inspiriert. Insofern war es nur stimmig, auch einen europäischen Regisseur zu engagieren. Den Hauptdarsteller fand man in Peter Weller, der im SF-Bereich zuvor durch den damals wenig beachteten, heute zum Kultfilm avancierten DIE ABENTEUER DES BUCKAROO BANZAI aufgefallen war.

"Weißt Du, wo ich Dir den gleich hinstecken werde?"

In nicht allzu ferner Zukunft ist die Polizei in Detroit völlig damit überfordert, die Kriminalität einzudämmen. Streiks drohen, doch wer soll sich dann erst recht gegen die Scharen von Gangstern durchsetzen? Besonders gefährlich ist die marodierende Bande um ihren Anführer Clarence Boddicker (Kurtwood Smith). Der Megakonzern OCP nutzt diese Gelegenheit, um ihre neuesten Erfindungen an die Sicherheitskräfte verkaufen. Dummerweise läuft der unter Vize-Präsident Dick Jones (Ronny Cox) entwickelte Kampfroboter ED-209 bei der Präsentation Amok und tötet eins der Vorstandsmitglieder. So bekommt der arrogante Emporkömmling Bob Morton (Miguel Ferrer) die Chance, sein Projekt um einen stark gepanzerten Polizisten-Cyborg in die Tat umzusetzen. Codename: RoboCop! Fehlt nur noch ein Freiwilliger. Dieser taucht in Form des kürzlich versetzten jungen Polizisten Murphy (Peter Weller) auf, der bei einer Schießerei mit Boddickers Gang im wahrsten Sinne des Wortes in Stücke geschossen wurde. Nach einer langwierigen Umwandlung geht der scheinbar unaufhaltbare RoboCop gegen die Unterwelt Detroits vor. Anfangs kann er sich an seine Vergangenheit nicht mehr erinnern, doch dann beginnen die Träume, und auch seine ehemalige Partnerin Lewis (Nancy Allen) erkennt den Menschen hinter dem stählernen Kämpfer wieder. Derweil kann sich Bob Morton über seinen neuen Einfluss bei OCP nicht lange freuen...

Die meisten, die an ROBOCOP denken, werden zahllose blutige Schießereien, herumfliegende Körperteile und menschenverachtende Gewalt vor Augen haben. Kein Wunder dass es der Film in Deutschland immer schwer hatte. Doch damit wird man dem Streifen nicht gerecht. Bereits Regisseur Verhoeven zeigte sich enttäuscht über die Schnitte, die er schon in den USA tätigen musste, um eine vertretbare Altersfreigabe zu erhalten. Er selbst sagt, dass die Gewalt in dem Film durch die Schnitte erst wirklich erschreckend wurde, da er sie zuvor so überzeichnet hatte, dass sie eher wie ein Cartoon wirkte. Recht hat. Ohne Frage: In die Hände von Kindern oder Jugendlichen gehört ROBOCOP auf keinen Fall, aber, wenn man sich den auf DVD erhältlichen Director´s Cut anschaut, schmunzelt man bei den Ballereien eher, als dass man sich geschockt zeigt (mit Ausnahme der „Hinrichtung“ Murphys zu Beginn des Films). Dies ist schwarzer Humor in seiner Endstufe und wird durch die satirisch überzeichneten Nachrichten- und Werbespots, die in den Film eingestreut sind, unterstrichen.

"WARUM soll ich mich umdrehen? WAS steht hinter mir?"

ROBOCOP ist Sozial- und Medienkritik. Natürlich funktioniert er auch als Actionfilm, doch hält er uns gleichzeitig einen Spiegel vor, wenn wir uns an den blutigen Schlachten erfreuen. Sofern er merkt, dass hier eigentlich über ihn gelacht wird, dürfte dem Voyeur das Grinsen wohl vergehen. Dies gelingt Verhoeven hier viel besser als in seinem Jahre später entstandenen STARSHIP TROOPERS. Tricktechnisch ist der Film allerdings schlecht gealtert. Während die Effekte um den RoboCop selbst wunderbar gelöst sind und auch heute noch überzeugen, ruckeln die Stop-Motion-Bewegungen des ED-209 eher unschön über den Bildschirm. Das stört aber nicht wirklich, da diese Sequenzen nicht unnötig in die Länge gezogen wurden.

Den Großteil meiner Kindheit verbrachte ich in den 80ern und hatte daher erst viel später die Gelegenheit, ROBOCOP zu sehen, und dann auch direkt in der vom Regisseur beabsichtigten Fassung. Ich sehe in dem Streifen kein über alle Maßen anbetungswürdiges Meisterwerk, aber durchaus einen feinen Film, der viel intelligenter ist, als man ihn für gewöhnlich ansieht, und dabei auch gut zu unterhalten weiß. Wer übrigens mal lachen will, sollte sich bei Ebay eine geschnittene 16er-Fassung holen und mit der ungeschnittenen Version vergleichen. Es lohnt sich: Selten so gelacht (Grüße an Sebastian S.).

Sonntag, 18. Dezember 2011

Shooter


Ich gestehe, dass ich nie gedacht hätte, dass sich Mark Wahlberg im Filmgeschäft durchsetzen würde. Als jemand, der 1992 Zeuge wurde, wie „Marky Mark and the Funky Bunch“ mit den Singles „Good Vibrations“ und „Wildside“ Hits ablieferte und später gemeinsam mit Prince Ital Joe unter der Produktion von Alex „U96“ Christensen im Eurodance-Bereich wilderte, konnte ich anfangs nicht glauben, dass Mr. Wahlberg – Bruder eines der New Kids on the Block“ - ernstzunehmender Schauspieler sein sollte. Okay, da gab es den einen oder anderen Fehlgriff (PLANET DER AFFEN, MAX PAYNE z.B.?), aber bereits mit seinem Frühwerk BOOGIE NIGHTS und später unter der Regie von Martin Scorsese in DEPARTED bewies Mark Wahlberg, dass er es wohl wirklich drauf hat. Daher habe ich mir guten Gewissens seinen Streifen SHOOTER von 2007 angesehen.

Der Film basiert auf dem Roman „Point of Impact“ von Stephen Hunter, einem Thrillerautoren und selbst erklärten Waffennarren (dazu später mehr). Regie führte Antoine Fuqua, von dessen Arbeiten man Werke wie DIE TRÄNEN DER SONNE (mit Bruce Willis), KING ARTHUR (mit Clive Owen) und THE REPLACEMENT KILLERS (mit Til Schweiger...) kennen sollte. Neben Mark Wahlberg spielen als bekanntere Namen wie Danny Glover, Ned Beatty und Rhona Mitra mit. SHOOTER war weder in den USA, noch im Rest der Welt ein wirklich großer Erfolg – was aber natürlich nichts über die Qualität eines Films aussagen muss. In Deutschland ist er ab 18 Jahren freigegeben, was sicherlich mit dem Thema „Selbstjustiz“ zu tun hat – etwas, was die liebe FSK gar nicht mag.

"Mist! Wo ist das Klopapier?!"

Der US-Scharfschütze und absolute Schusswaffen-Experte Bob Lee Swagger (Wahlberg) verliert bei einem Einsatz in Äthiopien seinen Spotter und besten Freund Donnie (Lane Garrison), weil sich seine verbündeten Streitkräfte aus einem Kampfgebiet zurückziehen, und die beiden Schützen sich selbst überlassen. Desillusioniert quittiert Swagger seinen Job. Einige Zeit später wird er von Colonel Johnson (Glover) angesprochen. Der Geheimdienst hat herausgefunden, dass ein Attentat auf den US-Präsidenten geplant wurde, und nun hofft man auf Swaggers Expertise, herausfinden, wo und wie der Anschlag verübt werden soll. Nach anfänglichem Zögern willigt Swagger ein und kommt zur Erkenntnis, dass der Präsident während einer Gemeinschaftsrede mit einem äthiopischen Erzbischof in Philadelphia getötet werden könnte. Swagger ist während des Einsatzes vor Ort, als tatsächlich Schüsse abgegeben werden und den Erzbischof töten. Dann geht alles ganz schnell: Johnson und dessen Unterlinge eröffnen das Feuer auf Swagger und wollen ihm das Attentat in die Schuhe schieben. Schwer verletzt kann der ehemalige Soldat, der jetzt wieder auf seine einst antrainierten Überlebenskünste angewiesen ist, flüchten. Während Johnson eine unbarmherzige Jagd auf ihn ausruft, und die Öffentlichkeit überzeugt ist, dass er ein Killer ist, kommt Swagger bei Donnies Witwe Sarah (Kate Mara) unter. Derweil ist der junge FBI-Agent Nick Memphis (Michael Pena) von der Unschuld des vermeintlichen Attentäters überzeugt und stellt auf eigene Faust Nachforschungen an...

USA-Fans dürften hier voll auf ihre Kosten kommen. Selten habe ich so viele in Zeitlupe gedrehte Ami-Flaggen gesehen – natürlich unterlegt von dazu passender, patriotischer Musik. Der Film ist dramaturgisch ein wenig an AUF DER FLUCHT angelehnt. Auf der einen Seite haben wir einen Mann, der eines Verbrechens beschuldigt wird, das er nicht begangen hat, vor dem Gesetz flieht und gleichzeitig versucht, die Wahrheit hinter der Verschwörung aufzudecken. Auf der anderen Seite haben wir die Vertreter der Justiz, die ihn eigentlich zur Strecke bringen sollten – aber auf dem Weg dorthin entdecken, dass an der Sache mehr dran ist, als man auf den ersten Blick erkennt. Besser gut geklaut, als schlecht neu erfunden. Spannend ist SHOOTER streckenweise auf alle Fälle. Zudem ist er handwerklich sehr gut gemacht. Es gibt tolle Landschaftsaufnahmen (gell, liebes Lexikon des internationalen Films? ;) ), die Schauspieler machen das Beste aus dem Drehbuch, und es gibt genug blutige Action, um Fans der selbigen bei Laune zu halten.

"Mittlerweile ich bin DEFINITIV zu alt für diesen Scheiss!"

Aaaaaber: Leider hat SHOOTER auch mit ein paar Problemen zu kämpfen. Wer nicht gerade darauf steht, dürfte mit der zur Schau gestellten Soldaten-Romantik nichts anfangen können. Wenn darüber gesprochen wird, wie jemand, dessen Beruf es ist, Leute aus dem Hinterhalt zu erschießen, erklärt, dass er Spaß an seinem Job hat, dann – nun ja – kommt mir das Grausen. Wundern sollte man sich über solche Sätze allerdings nicht, da die Inszenierung der Waffen und Abschüsse beinahe fetischartig anmutet. In Anbetracht dessen, dass Autor Hunter das Abfeuern einer Pistole als „sinnliches Vergnügen“ beschreibt, passt das ja. Selbstverständlich wird das ganze mit einem gehörigen Maß an Hurra-Patriotismus gewürzt: Die USA sind schon toll, könnte aber noch besser sein, wenn „die da oben“ sich doch ein wenig mehr am Geist der Gründerväter orientieren würden. Gähn. Am Ende wird’s dann witzigerweise richtig links-liberal – aber zu diesem Zeitpunkt wirkt diese Botschaft dann nur noch scheinheilig. Aber selbst wenn man nicht die Moralkeule schwingt, strotzt das Drehbuch nur so vor logischen Fehlern und Irrungen und Wirrungen (z.B., wenn sich der ansonsten sehr überlegt handelnde Protagonist unnötigerweise in die Höhle des Löwen begibt und dabei natürlich von der Polizei aufgegriffen wird...). Auch die Love-Story wirkt total aufgesetzt und plump, da die gute Dame immer wieder dazu angehalten wird, in unsinnig engen Tops oder nur im BH durchs Bild zu stolzieren. Und Marky Mark? Der macht seinen Job okay, liefert hier aber verständlicherweise kein Oscar-Material ab.

Ich fand diese Pille schwer zu schlucken. Wäre man das Ganze ein wenig vielschichtiger angegangen und dann auch so manche Schwäche des Scripts ausgebügelt worden, hätte ein kurzweiliger und unterhaltsamer Actionthriller bei SHOOTER herumkommen können. So aber ist der Film für Nicht-Amerikaner, die nicht jeden Morgen die Stars and Stripes im Vorgarten hissen, schwer zu empfehlen. Wenn es einem aber gelingt, sein Gehirn noch mehr auszublenden als bei Roland Emmerich, mag man sogar gut unterhalten werden.

Bram Stokers Draculas Gast


Aaaah, Dracula. Die erste Rezension zu meinem Lieblings-Blutsauger seit des Neustarts dieses blogs. Diesmal handelt es sich um BRAM STOKERS DRACULAS GAST (Dracula´s Guest, 2008), einem Direct-to-DVD-Movie von B-Film-Profi Michael Feifer, der sich in diesem Fall für Drehbuch und Regie verantwortlich zeigt. Daher kommt es auch, dass keine bekannten Gesichter in diesem Streifen zu sehen sind. Den einen oder anderen Darsteller kennt man vielleicht aus einer Fernsehserie (wie Hauptdarsteller Ramsey, der aus CSI: MIAMI bekannt sein dürfte), aber das war´s dann auch. Manchmal findet man unter den extra für Videotheken produzierten Filmen ja so manches Kleinod. Dass die DVD neu 2,99 Euro gekostet hat, hätte mich stutzig machen können. Zu recht? Wir werden sehen...

Ende des 19. Jahrhunderts: Der junge Bram Stoker (Wes Ramsey) arbeitet als Immobilienmakler und erhält den Auftrag, dem transsylvanischen Grafen Dracula (Andrew Bryniarski), der just in England weilt, ein Haus zu verschaffen. Wenn Stoker gerade nicht arbeitet, flirtet er mit seiner großen Liebe Elizabeth (Kelsey McCann). Doch deren Vater Admiral Murray (Dan Speaker) will von diesen Liebeleien nichts hören und zwingt das junge Paar, sich ein Jahr lang nicht zu sehen. Während Stoker niedergeschlagen ist und sich in seine Arbeit stürzt, macht Elizabeth Nägel mit Köpfen und nimmt Reißaus. Dabei wird sie aber zufällig (?) von Dracula abgefangen, der die junge Frau hypnotisiert und nach Transsylvanien auf sein Schloss entführt. Ihr Vater bricht kurz entschlossen auf, um sich den Grafen zur Brust zu nehmen. Auch Stoker macht sich auf den Weg nach Siebenbürgen, als er die Nachricht vom Verschwinden seiner Geliebten erfährt. Er ahnt nicht, dass sein Widersacher ein übernatürliches Wesen ist...

"Hab ich nicht schöne Zähne?"

Oh, boy... Wo fängt man bei so einer langen Mängelliste an? Am besten beim Technischen. Hier fällt direkt auf den ersten Blick auf, dass der Film auf billigstem digitalen Video gedreht wurde. Gut, das liegt wahrscheinlich genauso am Budget wie die lachhaft schlechten Spezialeffekte (darunter ein CGI-Zug der in ruckelnden Sprüngen über die Gleise huscht). Die Kameraführung und Bildkomposition sind für ein erfahrenes Drehteam selbst aus dem B-Movie-Bereich dilettantisch und sehen in manchem Porno besser aus. Dazu kommen ständige Gegenlichtaufnahmen, bei denen man sich fragt, ob irgend jemand der Beteiligten schon einmal einen Film gesehen, geschweige denn gedreht hat. Da passt es, dass man einmal schön deutlich den Filmscheinwerfer im Hintergrund herumstehen sieht... Unterhaltsam sind auch die Tonprobleme. Manchmal klingen die Dialoge so dumpf, dass man glauben könnte, das Boom-Mikrophon hätte in einem Sack voller alter Socken gesteckt. Das Make-Up hat maximal Kleinstadttheater-Niveau, mein Favorit war ganz klar die völlig künstlich aussehende Perücke von Elizabeths Mutter (die Gott sei dank nur einen Auftritt hat – ja, ich meine das Toupet). Gefallen haben wir auch die Unterlagen, die Stoker durcharbeitet, aber trotz des Settings von vor ca. 150 Jahren deutlich sichtbare Computerausdrucke sind. Rein stilistisch macht es da auch Sinn, dass Draculas modern renoviertes Schloss über elektrische Deckenlampen verfügt – neben Metallabsperrgittern, die wahrscheinlich Besucher bei offiziellen Rundgängen daran hindern sollen, sich in private Gemächer zu verirren.

Leider sorgen die Darsteller dafür, dass es keine Stimmungsbrüche gibt. Sprich: Sie sind genauso schlecht wie der Rest des Films. Dafür müssen sie sich aber auch mit zum Wegschmeißen dummen Dialogen abmühen. Die unterhaltsamste (?) Casting-Entscheidung bezieht sich auf Dracula selbst: Horrorfans könnten Andrew Bryniarski als Leatherface (!) aus dem Remake von TEXAS CHAINSAW MASSACRE kennen. Der übergewichtige Mime kämpft mit einem drolligen rumänischen Akzent und bleckt unentwegt seine langen Fangzähne auch in den Situationen, in denen es überhaupt keinen Sinn ergibt. Rein optisch kann ich mir ihn übrigens auch in einem Porno vorstellen.

Die natürliche Körper-Abwehrreaktion bei Sichtung dieses Films.

Inhaltlich darf man sich fragen, warum dieser Titel gewählt wurde. DRACULAS GAST ist eine Kurzgeschichte Bram Stokers, bei der es sich wahrscheinlich um das erste, später aus dem Roman entfernte, Kapitel von „Dracula“ handelt. Dieser Film hat NICHTS mit besagter Story zu tun. Im Gegenteil: Es werden sogar Elemente aus Bram Stokers „Das Haus des Schafrichters“ in die Geschichte eingeflochten, obwohl diese eigentlich gar nichts mit dem Vampirfürsten zu tun hat, und diese Szenen deswegen auch arg aufgesetzt wirken. Dabei besitzt die Story einen interessanten Ansatz: Anstatt, dass Harker von Dracula gefangengehalten wird und sich Mina Sorgen macht, ist es hier die Frau, die eingesperrt ist, während der Mann zur Rettung naht. Okay, auf den zweiten Blick erscheint das wiederum sehr konventionell. Mir ist zudem nicht ganz klar, wie Stoker, der den größten Teil des Weges von England nach Transsylvanien zu Fuß (!) meistern musste schneller bei Elizabeth ist, als ihr Vater, der immerhin mit der Kutsche reist. Und überhaupt: Was soll das mit dem Charakter namens „Bram Stoker“? Abgesehen davon, dass erwähnt wird, dass irisches Blut in seinen Adern fließt, gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass dies derjenige sein soll, der später den Roman „Dracula“ schreibt. Warum heißt er dann nicht einfach Harker? Eine Idee, die völlig ungenutzt verpufft. Schade ist auch, dass der Showdown lächerlich ist, und am Ende wichtige Fragen nicht aufgeklärt werden. Bei 83 Minuten Laufzeit wären da ein paar erklärende Worte durchaus drin gewesen.

Man mag es nicht glauben, aber zwischendurch kommt sogar so etwas wie Atmosphäre auf. Eine extrem billige Atmosphäre, aber immerhin. Doch dennoch sollte nach Lektüre dieser Rezension kein Zweifel bleiben: BRAM STOKERS DRACULAS GAST ist eine filmgewordene Katastrophe, in der nichts funktioniert, und die durch die Bank weg von mangelndem Talent oder aber – im Zweifel für den Angeklagten – ungenügender Motivation, etwas von Qualität auf die Beine zu stellen, zeugt. Sei es drum: Ein Loch weniger in meiner DRACULA-Sammlung. Deshalb auch nur für Komplettisten wie mich zu empfehlen.